Gewässerrenaturierungen

JohnsbachIn der Vergangenheit hat man viele Gewässer stark eingeengt und begegnete der drohenden Hochwassergefahr mit immer massiveren Verbauungen. Heute gibt man den Flüssen und Bächen wieder mehr Raum, denn ein intaktes Gewässer erfüllt viele wertvolle Funktionen.

Der Johnsbach

Der Johnsbach entspringt im Nationalpark aus Quellen der Eisenerzer Alpen und der Hochtorgruppe. Dieser Wildbach hat früher bei Hochwässern den gesamten Talboden der Zwischenmäuerstrecke von Silberreith bis zur Bachbrücke überschwemmt. Dadurch ist die einzige Zufahrtstraße in die Ortschaft Johnsbach immer wieder unpassierbar geworden. In den Jahren 1951 bis 1974 ist der Johnsbach mit Durchstichen, Begradigungen, Sohlschwellen, Abstürzen und Drahtbuhnen hart verbaut worden. Aufgrund der Ufersicherung wurden auch Aufforstungen mit Fichtenkulturen in ebenen Schwemmlagen und Aufschüttungen möglich.
Anlässlich der Nationalpark-Diskussion waren im Jahr 1999 Empfehlungen zur Revitalisierung des Johnsbaches ausgearbeitet worden. Dieses Konzept wurde in Kooperation von Nationalpark, Fachleuten und Wildbach- Lawinenverbauung 2005/2006 naturschutzfachlich optimiert und diese Maßnahmen im Rahmen des LIFE-Projekts von 2006 bis 2010 umgesetzt. Dabei wurden künstliche Abstürze und Verbauungen entfernt, der Mündungsbereich vitalisiert und Aufweitungsstrecken geschaffen.

Heute kann man den Johnsbach entlang des Sagenweges wieder erleben.

Lettmair Au

Lettmair AuDurch zahlreiche Regulierungsmaßnahmen fielen entlang der gesamten Enns Seitenarme trocken und es wurden Aulandschaften entwässert, um sie besser nutzen zu können. Der Enns-Seitenarm in der Lettmair Au wurde 2005 und 2006 mit Baggereinsätzen wieder geöffnet. Seither ist die Silberweiden-Au unweit der Johnsbachbrücke mit neuem Leben erfüllt. Je nach Wasserstand schlängelt sich der Aubach bescheiden unter dem Themenweg durch oder wälzt sich eindrucksvoll breit daher. Bei sehr niederem Wasserstand versinkt das Gerinne im Schotter und nur mehr einige Tümpel bleiben übrig: So funktioniert eine Au.

Heute entwickelt sich hier wieder eine naturnahe Au, die auch heimischen Arten - vom Specht bis zum Flussuferläufer – Lebensraum bietet. Zu erleben ist einer der letzten Abschnitte einer unverbauten Enns entlang des Themenweges „Lettmair Au“.

Gsengquelle

GsengquelleIm Gsenggraben wurde bis 2008 in großem Maßstab der Dolomitbruch abgebaut und ein Asphaltmischwerk betrieben. Dadurch wurde vor allem die Schütt und eine darin befindliche Quelle stark beeinträchtigt. Im Jahr 2010 wurden alle Betriebsanlagen entfernt, Straßenbefestigungen rückgebaut und Asphaltreste entfernt. Seither kann der Witterschutt wieder ungehindert zu Tal fließen. Der bekannte Quellaustritt wird in einem Monitoring in seiner weiteren Entwicklung dokumentiert.

Sulzkarsee

Als einziger See im Nationalpark Gesäuse liegt der Sulzkarsee idyllisch eingebettet in die Moränenlandschaft der Sulzkaralm auf 1.450 m Seehöhe. Der subalpine Kleinsee entstand durch die abdichtende Wirkung stauender, toniger Lagen im Moränenmaterial eines eiszeitlichen Gletschers. Die tiefste Stelle des Sees beträgt 8,5 m.

Noch 2004 wurde die Situation des Sulzkarsees als kritisch eingeschätzt. Oberflächenwasser wurde dem See zugeführt, um die darin angesiedelten Fische (Seesaiblinge, Regenbogenforellen, Elritzen) zu versorgen und durch die Nutzung als Viehtränke kam es zu großem Fäkalieneintrag. Daher wurden die künstlich besetzten Fische abgefangen und die natürlichen Gegebenheiten der Wasserversorgung wiederhergestellt. Im Rahmen des Almmanagements wurden Viehtränken errichtet und der See ausgezäunt, sodass der Nährstoffeintrag durch Weidevieh beendet werden konnte. Ein Wermutstropfen bleiben die Elritzen, die bisher nicht vollständig aus dem Sulzkarsee entfernt werden konnten.