Almgeschichte im Gesäuse

Die Beweidung führt zu Inseln der Artenvielfalt im waldreichen Nationalpark Gesäuse.Die Geschichte der Besiedelung und Nutzung der Gesäuseberge ist noch nicht vollständig geklärt. Der Nationalpark hat es sich aber zur Aufgabe gemacht, dieser langen und prägenden Geschichte von Mensch und Natur im Gesäuse auf die Spuren zu kommen. Die Almwirtschaft ist dabei neben der Nutzung der Wälder ein wesentliches Thema. Die ersten Veränderungen der ursprünglichen Naturlandschaft durch den Menschen im Gesäuse waren geprägt von Weidewirtschaft, kleinräumigem Bergbau und begleitenden Rodungstätigkeiten.

Im Folgenden ein kurzer Rückblick zur Jahrtausende alten Tradition der Almwirtschaft im Gesäuse.

Erste Spuren

Ehemaliger Kupferschmelzplatz im Johnsbachtal.Bereits unsere Vorfahren nutzten am Ende der Jungsteinzeit die alpinen Matten oberhalb der Waldgrenze als „Urwiesen“ zur Beweidung. Man kann diese also als die Vorgänger der heutigen Almen bezeichnen. Nachweise auf dem Dachsteinplateau belegen die Anwesenheit des Menschen bereits in der mittleren Bronzezeit (1500 v.Chr.).

Erste menschliche Spuren im Gesäuse finden sich aus der Zeit um 1800 v. Chr. und weisen auf eine rege Bergbautätigkeit hin (Kupferschmelzplätze).

Höhepunkt

Die Produktion von Holzkohle war ein Zusatzeinkommen vieler bäuerlicher Familien.Die Talböden waren vor der Gründung des Stiftes Admont (1074 n. Chr.) sehr dünn besiedelt und geprägt von ausgedehnten Feuchtgebieten und Waldungen. Ab dem 12. Jahrhundert wurde der Bergbau vom Stift Admont ausgebaut und erreichte im 16. Jahrhundert seinen Höhepunkt. Die Almflächen wurden vom Grundbesitzer, dem Stift Admont, an Bauern aus dem Admonttal und aus Johnsbach gegen Almzins vergeben. Das Höchstmaß an Holznutzung und Beweidung erfolgte Ende des 17. Jahrhundert. Auch in tiefer liegenden Wäldern entstanden auf Kahlschlägen neue Almen, so genannte "Alminseln". Ab dem endenden 19. Jahrhundert nahm schließlich sowohl die Holznutzung als auch die Beweidung der Almen kontinuierlich ab. Viele der einstigen Weideflächen sind heute wieder bewaldet.

Auf und Ab

Die Bewirtschaftung von Grünland im Tal hat sich wesentlich verändert, auf den Almen weniger.Während der beiden Weltkriege kam es zu einem allgemeinen Niedergang. Dies hatte Folgen für die Landwirtschaft und daher auch Auswirkungen auf die Almbewirtschaftung. Nach einem kurzen Anstieg nach dem Zweiten Weltkrieg war wieder ein allgemeiner Rückgang der aufgetriebenen Tiere zu verzeichnen.

Um den Rückgang der Almwirtschaft aufzuhalten, waren produktionsbezogene Motive nicht mehr ausreichend. Mit Verweis auf die volkswirtschaftliche, gesamtwirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung von Almen wurden ab den 1970erJahren Bewirtschaftungsprämien gewährt. So ist in den letzten Jahrzehnten wieder von einer vermehrten Nutzung der Almen zu sprechen.

„Auf der Alm“

Die Vielfalt der Almen erfreut jeden Besucher des Nationalparks.Die Bedeutung der Almen als Erholungsraum wurde erst im letzten Jahrhundert zu einer maßgeblichen Größe in der Entwicklung des Alpenraumes. Die Alpen als „Dachgarten Europas“ ziehen jeden Sommer tausende Menschen aus den Ballungszentren an. Sie bieten ihnen Erlebnis und Erholung, die nur aufgrund der jahrhundertelangen Bewirtschaftung durch die Bergbauern ermöglicht wurde.

Details zur Almgeschichte findet man bei den Publikationen auf unserer Website.
Die Geschichte der Gesäusewälder ist auch im ersten Band unserer Schriftenreihe veröffentlicht worden.