Lawinen

Eine Lawinenbahn im Zirschofen. Die Auswirkungen des winterlichen Lawinenabganges sind hier noch deutlich zu erkennen.Lawinen zählen zu den landschaftsprägenden Naturprozessen in den Gebirgslandschaften, so auch im Gesäuse. Sie sind den gravitativen Prozessen zugeordnet und entstehen durch den spontanen, ruckartigen Abgang von größeren Schneemaßen an einem Steilhang. Kategorisiert werden Lawinen meist nach der Form des Anrisses, also Schneebrettlawinen (linienförmiger Anriss) und Lockerschneelawinen (punktförmiger Anriss), oder nach der Form der Bewegung (Fließ- und Staublawinen).

Naturgefahr oder Naturprozess?

2005 zerstörte eine Lawine im Rohr bei Gstatterboden Teile des Schutzwaldes. 2010 wurde ein Lawinendamm zum Schutz der Ortschaft errichtet.Dort wo Menschen siedeln und Straßen verlaufen, werden Lawinen meist als drohende Naturgefahr wahrgenommen. Vor allem am Tamischbachturm hat es in vergangener Zeit massive Lawinenkatastrophen gegeben. Ein besonders einschneidendes Ereignis fand am 8. Februar 1924 statt, bei dem eine gewaltige Grundlawine aus dem Haindlkar abging und zahlreiche Opfer forderte. Durch den Abgang von zwei weiteren Lawinen wurde der Ort Hieflau damals komplett von der Außenwelt abgeschnitten.

Auch der Ort Gstatterboden ist und war immer wieder von Lawinen betroffen. Aufgrund des letzten schwereren Ereignisses im Jahr 2005, bei dem die sogenannte „Rohrlawine“ sogar den Schutzwald zerstörte, wurde 2010 von der Wildbach- und Lawinenverbauung ein Lawinenablenkdamm errichtet, um den Ort in Zukunft vor Lawinenschäden zu bewahren.

Lebensraum Lawinenrinne

Besonders Schmetterlinge sind in den Lawinenrinnen sehr artenreich vertreten.Solche Extremereignisse finden glücklicherweise nur sehr selten statt. Üblicherweise bleibt es bei der Verschüttung von Straßenabschnitten und Straßensperren bei hoher Lawinengefahr. Weitaus weniger bekannt als der Aspekt der Naturkatastrophe ist der überaus hohe naturschutzfachliche Wert der Lawinenrinnen. Diese stellen einen besonderen Lebensraum mit einer ganz speziellen Flora und Fauna dar, besonders unterhalb der Waldgrenze, wo Lawinenabgänge dazu führen, dass Flächen dauerhaft waldfrei bleiben. Diese Lawinenrinnen zeichnen sich durch ihre ausgesprochen hohe Artenvielfalt aus. Der Standort ist günstig für das Aufkommen diverser Blütenpflanzen. Diese wiederum sind Nahrungsgrundlage für Falter, Käfer und zahlreiche andere Insekten. Speziell die Schmetterlinge sind in den Lawinenrinnen mit einer hohen Artenanzahl vertreten.

Beim GEO Tag der Artenvielfalt 2010 konnten etwa im Kalktal allein an einem Tag 180 verschiedene Falterarten nachgewiesen werden! Ein besonderer und seltener Vegetationstyp in Lawinenrinnen sind Legbuchenbestände, an trockeneren Standorten ist häufiger die Hasel das dominierende Gehölz. Die hohe Biodiversität dieser Standorte gibt immer wieder Anlass für Untersuchungen und Forschungsarbeiten. Band 6 der Schriftenreihe des Nationalparks Gesäuse „Vielfalt Lawine“ widmet sich ausschließlich diesem Thema.