Leben am und im Fels

Ein Grashorst am Gipfel des Kleinen Buchsteins.Ein wesentliches Charakteristikum des Nationalparks Gesäuse, mit dem er sich auch deutlich von allen anderen Nationalparks in Österreich abhebt, sind seine über 2.300 Meter hohen Kalkgipfel.

Die Hochtorgruppe und das Buchsteinmassiv, welche durch die Enns voneinander getrennt sind, stellen die markantesten und imposantesten Erhebungen im Gesäuse dar und bieten Lebensraum für eine reiche Anzahl an Tier- und Pflanzenarten.

Das Leben in Fels und Stein

Das Ostalpen-Fingerkraut besiedelt bevorzugt Felsspalten.In der alpinen Region ist der Naturraum besonders reichhaltig differenziert. Eine Besonderheit im Gebiet ist die hohe Reliefenergie. Von den Auwäldern an der Enns bis hinauf zu den höchsten Felsgipfeln (Hochtor 2.370m) durchschreitet man einen Höhenunterschied von 1.800 Metern in nur wenigen 100 Metern horizontaler Distanz. Dabei wechseln auf engstem Raum Felsspaltenvegetation mit Schuttfluren, alpine Matten und Zwergstrauchgesellschaften mit Latschenfeldern. Dies bedingt eine besonders abwechslungsreiche Landschaft und eine hohe Artenvielfalt auf engstem Raum.

In zahlreichen Rinnen und Gräben gelangt der verwitterte Fels bis in die tiefen Lagen und bildet einen besonderen Lebensraum, in dem sich „angeschwemmte“ hochalpine Pflanzenarten mit den wärmeliebenderen Arten aus dem Talboden der Enns vermischen. Auch die eine oder andere Gämse steigt über diese Rinnen oft bis tief ins Tal hinab.

Der Peterngstamm ist ein Frühjahrsblüher der die hohe Wasserverfügbarkeit zur Frühlingszeit nutzt.Das Leben am Felsen stellt für die Lebewesen eine besondere Herausforderung dar. So sind nicht nur die Ressourcen wie Wasser und Nährstoffe sehr knapp, sondern auch die klimatischen Verhältnisse ausgesprochen hart. Besonders die immobilen Pflanzen müssen hohe Temperaturschwankungen, eisigen Wind und tiefe Wintertemperaturen ertragen. Manche, wie etwa der Petergstamm, schließen ihren gesamten Lebenszyklus innerhalb weniger Wochen während der günstigeren Bedingungen im Spätfrühling und Frühsommer ab. Andere Arten, wie beispielsweise die Polstersegge und Zwergsträucher, sind darauf spezialisiert den harten Witterungsbedingungen zu widerstehen und sind das ganze Jahr über zu finden.

Charaktertiere der Alpen

GämseDie Gämse ist neben dem Steinbock das Charaktertier des Hochgebirges. Als ausgezeichneter Kletterer und widerstandsfähiger „Hungerkünstler“ ist ihr bevorzugter Lebensraum die obere Waldzone und die Felsregion. Gämsen sind Rudeltiere, bei denen die weiblichen Tiere das Sagen haben. Bei der Brunft im November liefern sich die Böcke wilde Verfolgungsjagden quer über scheinbar ungangbar steile Hänge, um die Gunst der Geiß zu erlangen.

MurmeltierEin weiterer bekannter Bewohner des Gebirges ist das Murmeltier. Es gehört zur Familie der Nagetiere und lebt in gesellschaftlichen Familienverbänden mit bis zu 20 Tieren in unterirdischen Bauen oberhalb der Waldgrenze. Das Problem des kargen Nahrungsangebotes im Winter löst das Murmeltier durch einen Winterschlaf, in dem es die im Sommer angelegten Fettreserven aufbraucht.

SteinadlerDer wohl bekannteste Vogel der Alpenregion ist der Steinadler. Er wurde lange Zeit vom Menschen als Nahrungskonkurrent und Gefahr angesehen und gnadenlos bekämpft. Der Steinadler ist ein imposanter Vogel mit etwa 2 m Flügelspannweite und einer maximalen „Nutzlast“ von 5 Kilo, was ihn durchaus dazu befähigt, neben Murmeltieren und Vögeln auch Gams- oder Rehkitze zu erbeuten. Der Steinadler legt seinen Horst meist in einer unzugänglichen Felsnische an, wobei ein Paar im Durchschnitt alle 2 Jahre einen Jungvogel großzieht, der seinerseits erst mit 5 Jahren geschlechtsreif wird. Um mehr über das Leben eines Jungadlers und unsere Beobachtungen mit einer Wildtierkamera zu erfahren klicken Sie hier.

SchneehuhnViel weiter unten in der Nahrungskette, aber in derselben Höhenlage kommt das Alpenschneehuhn vor. Die von der Jahreszeit abhängige Färbung dieses Raufußhuhnes (so die zoologische Zuordnung) ist bezeichnend für seinen Lebensraum: im Sommer sind Oberseite, Vorderbrust und Flanken schwarzbraun marmoriert und verschwimmen mit der grün-grau-braunen Umgebung, im Winter ist der Vogel durch sein gänzlich weißes Gefieder praktisch „unsichtbar“.

KreuzotterDie sonnigen Felsenstandorte werden gerne von der Kreuzotter genutzt. Diese Schlange fällt durch ihre schwarze Zick-Zack-Bänderung am Rücken auf. Es gibt aber auch dunkel bis schwarz gefärbte Exemplare, die der Volksmund „Höllenotter“ nennt. Ihre Beute besteht aus Amphibien, Eidechsen und Mäusen, die sie mit einem Giftbiss erbeutet. Kreuzottern sind nicht aggressiv und greifen nur an, wenn sie sich bedrängt fühlen. Ihr Gift kann aber beim Menschen Kreislaufprobleme verursachen, daher ist Vorsicht geboten.