Spechte der Bergwälder

Weißrückenspecht HochebnerUnter den Bergspechten ist der Weißrückenspecht eine Leitart, die an naturnahe Buchen-Mischwälder gebunden ist. Er benötigt ausreichend Totholz, um seine Nahrung – hauptsächlich Insektenlarven – suchen zu können. Durch Waldmanagement-Maßnahmen werden Spechte im Nationalpark Gesäuse gezielt gefördert.

Der Weißrückenspecht

Der Weißrückenspecht (links) ähnelt auf dem ersten Blick dem Buntspecht (rechts).Der Weißrückenspecht (Dendrocopos leucotos) gilt als die „Urwaldart“ unter den Spechtarten. Der Name des Spechts rührt vom weißen unteren Rückenbereich. Die Flügel sind kräftig schwarz-weiß gebändert. Beim Männchen ist der Scheitel bis zum Hinterkopf leuchtend rot, beim Weibchen glänzend schwarz. Ihm fehlen im Vergleich zum Buntspecht die weißen Schulterflecken. Der Weißrückenspecht ist etwas größer als sein Verwandter, der Buntspecht, und damit gut amselgroß.

Das Hauptvorkommen des Weißrückenspechts in Österreich ist auf die randalpinen Fichten-Tannen-Buchenwaldgebiete der Nördlichen Kalkalpen und ihre Vorberge zwischen Vorarlberg und dem Wienerwald beschränkt. Der eher scheue Waldbewohner ist üblicherweise in Höhenlagen von 600 bis 900m anzutreffen. In Österreich gibt es in etwa 800 bis 1.500 Weißrückenspecht-Brutpaare. Nach den Naturschutzgesetzen der Bundesländer ist er streng geschützt - eine Gefährdung der Art in Österreich droht.

Ein guter Lebensraum für den Weißrückenspecht zeichnet sich außerdem durch ein hohes Alter der Bäume und dem Reichtum an liegendem und stehendem Totholz aus. Das Totholz bietet dem Weißrückenspecht Nahrung, wozu in erster Linie Käferlarven zählen. Liegende und stehende Buchenstämme ab einem Durchmesser von 20 cm bieten dem Specht die Möglichkeit eine Bruthöhle anzulegen.

In der Region „Nördliche Kalkalpen“ haben sich VertreterInnen von Schutzgebieten und Waldbesitzer bereit erklärt, in Zukunft verstärkt ein Augenmerk auf den Weißrückenspecht und seine Lebensraumansprüche zu legen. Denn generell gilt: durch das aktive Belassen von liegendem und stehendem Totholz im Wald profitieren auch andere Arten.

Bergspechte im Gesäuse

Fichtenspezialist und Borkenkäfer-Liebhaber.Der Dreizehenspecht (Picoides tridactylus) ist dunkel gefärbt und hat am Rücken ein weiß gesprenkeltes Muster. Das Männchen besitzt einen gelben Scheitel. Seine Nahrung sind hauptsächlich Larven und Puppen, die er unter der Rinde von Nadelbäumen findet. Dreizehenspechte kommen typischerweise in Höhen von 1.000 bis 1.700m – und hier auch in reinen Fichtenbeständen - vor und sind eifrige Vertilger des Fichtenborkenkäfers. Ihre Nahrung besteht pro Tag aus bis zu 2.000 Larven. Im Sommer trinken sie Baumsäfte, die sie durch „Ringeln“ gewinnen.

Grünspechte sind seltene Gäste in den schroffen Gesäusebergen.Grünspechte (Picus viridis) lieben offene Landschaften und sind daher im Gesäuse eher selten anzutreffen. Er ist durch seine Räubermaske, einen schwarzen Augenstreif, vom Grauspecht zu unterscheiden. Mehr als jeder andere Specht ist er stark bodenbezogen und sucht in Wiesen gerne nach Ameisen, die zu seiner Hauptnahrung zählen. Daher kommt er mit lange geschlossenen Schneedecken und in größeren Höhenlagen nicht gut zurecht.

Der Grauspecht zählt zu den „Erdspechten“ und frisst gerne Ameisen.Der Grauspecht (Picus canus) ist auf besonnten Hängen zwischen 600 und 1.200 Metern zuhause. Er bevorzugt gut gegliederte Mischwälder mit reichem Totholz. Auch er brütet gerne in altem Laubholz und ernährt sich gerne von Ameisen, wenn auch weniger spezialisiert als der Grünspecht. Daher profitiert er auch von den offenen Lawinenrinnen und Schutthalden mit junger Vegetation.

Auffallend sind die Größe und das einheitlich schwarze Gefieder des Schwarzspechts.Der Schwarzspecht (Dryocopus martius) ist die größte heimische Art. Er ernährt sich von Ameisen und holzbohrenden Insekten, die er an Baumstümpfen und an Totholz findet. Durch längeres Behacken werden Fraßlöcher oft zu großen vertikalen und damit charakteristischen Rinnen. Schwarzspechte sind im montanen Fichten-Tannen-Buchenwald zuhause und brauchen alte Bäume, bevorzugt Buchen, um ihre oft über Jahre genutzten Bruthöhle anzulegen. Durch die großen Baumhöhlen schafft der Schwarzspecht auch Nistmöglichkeiten für andere Spechte, Käuze und Singvögel.

Der Buntspecht ist eine häufige, wenig spezialisierte Art.Der Buntspecht (Dendrocopos major) ist eine häufige, sehr flexible und wohl die bekannteste Spechtart. Er kommt in verschiedensten Waldtypen von den Niederungen bis in große Höhenlagen vor. Der Buntspecht ernährt sich von wirbellosen Tieren, Samen, Beeren, Nüssen und Baumsäften. Diese Flexibilität bei der Nahrungswahl erklärt, warum er auch hier im Gesäuse in vielen Lebensräumen anzutreffen ist. Er hackt seine Bruthöhlen selbst und findet oft dankbare Nachmieter, wie Siebenschläfer, Fledermäuse oder andere Vogelarten.

Trommelbäume

Buntspecht beim Trommeln.Neben dem Rufen oder „Lachen“ sind Trommelwirbel die charakteristischen Lautäußerungen der Spechte. Sie dienen der Revierabgrenzung und der Partnerwerbung. Schlagfrequenz und Dauer sind je nach Art unterschiedlich. Um weithin Gehör zu finden sucht sich der Specht einen „Trommelbaum“, also einen Baumstamm oder Ast, der gute akustische Eigenschaften aufweist. Neben den Bruthöhlen ist der Trommelbaum ein sehr wichtiges Element im Lebensraum der Spechte.