Oase der Schmetterlinge

ApolloMehr als 1.234 Schmetterlingsarten wurden bisher im Gesäuse nachgewiesen. Die Vielfalt der Lebensräume und ihr weitgehend naturnaher Zustand führen zu dieser einzigartigen Fülle an Tag- und Nachfaltern im Gebiet. Zu diesen besonders bunten und leider oft auch sehr gefährdeten Arten zählen auch europaweit geschützten Arten, wie der Goldscheckenfalter, der Gelbringfalter, der Ameisenbläuling oder auch die Spanische Flagge. Aber auch besonders schöne und große Vertreter der Spanner und Eulenfalter kommen im Gesäuse vor, so etwa der mittlere Weinschwärmer und der Weingarten-Wickler. Letzerer sogar mit den größten in der Steiermark bekannten Populationen. Einige, sonst eher im Mittelmeerraum verbreitete Arten, konnten auch hier nachgewiesen werden. Ob dies als eine Folge der Klimaerwärmung zu werten ist, muss erst geklärt werden.

Die bunte Schmetterlings-Vielfalt der Lawinenrinnen

Die Lawinenrinnen und andere, von Natur aus waldfreien Flächen, zählen zu den artenreichsten Gebieten im Nationalpark Gesäuse überhaupt. In einer Lawinenrinne bei Hieflau konnten bisher beinahe 730 Schmetterlingsarten festgestellt werden. Ein einzigartiges Kleinod, das vor allem auf die strukturelle Vielfalt, als auch auf die begünstigte klimatische Lage am Ostrand des Nationalparks, zurückzuführen ist. Die Besonderheit dieser Lawinenrinnen ergibt sich vor allem auch aufgrund ihrer Höhenerstreckung auf kürzester Distanz. Vom Gipfelbereich des Tamischbachturm bis hinunter zur Enns sind es insgesamt 1.500 Höhenmeter. Die Schmetterlinge driften hier mit der Thermik an schönen Sommertagen von unten nach oben. Umgekehrt können auch alpine Arten durch Fallwinde bis in tiefere Lagen verschleppt werden. So mischen sich in diesen Bereichen zum Beispiel der eher in höheren Lagen vorkommende Apollofalter und der Schwarzen Apollo, der eher an die Tallagen angepasst ist.

Mit Leuchtzelten (Lebendfallen) können Falter angelockt und bestimmt werden. Hier bei Sonnenuntergang am Hochtor vor dem Nachteinsatz.Das Wissen über die Schmetterlinge des Nationalparks wurde in den letzten Jahren vor allem durch Heinz Habeler (verstorben am 2. Jänner 2017) erweitert. Waren in den Jahren vor der Gründung des Nationalparks Gesäuse kaum Funde aus diesem Gebiet bekannt, so sind die nachgewiesenen Arten mittlerweile auf über 1.200 Arten angewachsen. Diese Nachweise beruhen auf 17.000 Funddaten von rund 88.000 determinierten Schmetterlingen! Diese einzigartige Leistung von Heinz Habeler ist auch im Band 14 der Schriften des Nationalparks Gesäuse dokumentiert. So hat Heinz Habeler uns allen einen großen Schatz hinterlassen, auf den kommende Forschergenerationen aufbauen können. Vielleicht lässt sich auch der eine oder andere Besucher des Nationalparks von dieser wunderschönen Vielfalt der Schmetterlinge im Gesäuse anstecken und wird dann auch zu einem begeisterten Erforscher dieser bunten, aber oft verborgenen und unscheinbaren Welt.

Erleben kann der Besucher den Nationalpark Gesäuse aus Sicht eines Schmetterlings auch im 3-D Film des Nationalparks mit dem bezeichnenden Namen „Papilio – Das Geheimnis der grünen Zeitkapsel“!

Mehr dazu im Band „Schmetterlinge“ in der Reihe der Schriften des Nationalparks Gesäuse.