Endemiten – Juwele im Gesäuse

Gentianella Stiriaca GreimlerEndemiten gelten als wahre Kostbarkeiten der Pflanzen- und Tierwelt. Unter Endemiten versteht man Arten die in ihrem Vorkommen auf ein bestimmtes geographisches Areal beschränkt sind. Die Gesäuseberge bergen hier einen oft unbeachteten Schatz einzigartiger Tiere und Pflanzen.

„Endemit“ - „endemische“ Art – Was ist das?

Das Spektrum reicht hier von Lokal-Endemiten die auf ein sehr kleines Gebiet beschränkt sind bis hin zu Arten, die auf einem ganzen Kontinent verbreitet sind und dennoch als Endemiten bezeichnet werden. Sprechen wir von den Endemiten der Gesäuseberge, dann handelt es sich um Arten, die nur in den Nordöstlichen Kalkalpen, also etwa vom Dachstein bis zum Schneeberg, vorkommen.

Da endemische Arten aufgrund ihres relativ kleinen Verbreitungsareals meist von Natur aus selten sind, sind dies oft auch Arten die besonderen Schutz bedürfen. Besonders der Erhalt ihrer natürlichen Lebensräume ist für ihr Fortbestehen von hoher Wichtigkeit.

Endemiten-Hotspot Gesäuse?

Das Gesäuse zeichnet sich durch seinen besonderen Reichtum an endemischen Arten aus. Dies beruht auf der Geschichte der Gesäuseberge welche während der letzten Eiszeit am Rande des alpinen Gletschersschildes lagen. Während andere Gebirgsgruppen von mächtigen Gletschern bedeckt waren, gab es im Gesäuse angrenzend lokale, unvergletscherte Refugien, wo einige Arten überdauern konnten. Zudem wurden genau diese Standorte nach dem Rückgang der Gletscher rasch wieder besiedelt. Zu den Endemiten zählen vor allem viele „alte“ Arten die zuvor schon mehrere Eiszeiten überdauert haben. Diese Arten weisen oft auch eine reduzierte Ausbreitungsfähigkeit auf (z.B. alpine Landschnecken). Daher konnten sie sich auch nach der Eiszeit nicht weiter verbreiten und blieben nur lokal bestehen.

Der Nationalpark Gesäuse ist mit einer Anzahl von 89 endemischen Tier- und mindestens 15 endemischen Pflanzenarten der Endemiten-Hotspot in Österreich! Also jener Ort, wo Endemiten in der höchsten Dichte auftreten. Einige davon möchten wir hier vorstellen.

Endemische Tierarten

Nördliches RiesenaugeDas Nördliche Riesenauge - Megabunus lesserti

Spinnentiere im Gesäuse sind mit sechs endemischen Weberknechten und 12 Spinnenarten prominent vertreten. Das Nördliche Riesenauge, das seinem Namen alle Ehre macht, lebt auf den senkrechten Kalkfelsen der Alpinstufe.

NebriaSteirischer Dammläufer - Nebria dejeanii styriaca

Der Laufkäfer ist nur in den Nord- und Zentralalpen zu finden, wo er die Uferlinie von Gebirgsbächen bewohnt.

Ceratophysella macrocantha

Dieser Springschwanz ist ein Endemit der Nordalpen, der bisher noch keinen deutschen Namen erhalten hat. Sein erster Fundort lag auf der Buchau bei Admont. Er ist auf Moospolster und Polsterpflanzen in größeren Höhenlagen zu finden.

Leucra AstridaeLeuctra astridae

Eine kleine Sensation gelang 2005 mit dem Nachweis dieser Steinfliegenart an mehreren Quellen im Nationalpark Gesäuse. Bis heute ist dies der einzige Fundort und das Insekt wurde als Neufund für die Wissenschaft in die Artenlisten aufgenommen.

Endemische Pflanzenarten

FedernelkeDie Zierliche FedernelkeDianthus plumarius blandus

Diese Nelkenart besiedelt vor allem Rohschuttstandorte in der Bergwaldstufe. Typische Lebensräume sind lichte Latschengebüsche, Föhrenwälder und felsige Rasen. Die Art gilt in der Region als stark gefährdet. Zahlreiche Standorte wurden durch Schuttentnahmen, oder Ablagerungen von Fremdmaterial zerstört.

AlpenmohnDer Nordöstliche Alpen-MohnPapaver burseri

Diese zierliche Art ist charakteristisch für die Kalk- und Dolomitschuttfluren. In den Gesäusebergen findet man ihn sowohl in den Schuttfluren der hohen Lagen, als auch in den talnahen Schuttrinnen die sich Richtung Enns und Johnsbach erstrecken. In der Steiermark steht diese Art unter Schutz.

GlockenblumeDie Österreich-GlockenblumeCampanula pulla

Diesen Endemit findet man in der montanen bis subalpinen Stufe. Bevorzugte Lebensräume sind schnee- und rieselfeuchte Bereiche in Karbonatschneetälchen und –schneeböden, Karbonatfelswände und –schutthalden. In Österreich gilt die Art nicht als gefährdet.

ClusiusprimelDie Clusius-PrimelPrimula clusiana

Die Hauptverbreitung der Clusius-Primel liegt im subalpinen bis alpinen Bereich in den Hochgebirgs-Karbonatrasen. Der ausdauernde Hemikryptophyt (mehrjährige Pflanze deren Überdauerungsknospen an der Erdoberfläche liegen und so im Winter durch Laub, Schnee etc. geschützt sind) besticht durch seine schönen rosa Blüten mit weißem Schlund die von Tagfaltern bestäubt werden. In Österreich ist sie nicht gefährdet.

Liste der endemischen Tiere im Gesäuse:

Weichtiere 7 Arten
Krebstiere 3 Arten
Spinnen 12 Arten
Weberknechte 6 Arten
Hornmilben 3 Arten
Doppelfüßer 9 Arten
Urinsekten 7 Arten
Steinfliegen 1 Art
Wanzen 2 Arten
Käfer 39 Arten

 

Liste der endemischen Pflanzenarten im Gesäuse:

Nordöstlicher Alpen-Mohn Papaver burseri
Zierliche Federnelke Dianthus plumarius blandus
Österreich-Glockenblume Campanula pulla
Steirischer Enzian Gentianella stiriaca
Alpen-Nelke Dianthus alpinus
Ennstaler Frauenmantel Alchemilla anisiaca
Östereich-Soldanelle Soldanella austriaca
Clusius-Primel Primula clusiana
Sternhaar-Felsenblümchen Draba stellata
Ostalpen-Täschelkraut Thlaspi alpinum (=Noccaea crantzii)
Traunsee-Labkraut Galium truniacum
Clusius-Schafgarbe Achillea clusiana
Schwarzrand-Margerite Leucanthemum atratum
Bleicher-Kurzrispen-Bunt-Schwingel Festuca versicolor subsp. pallidula
Eigentlicher-Kurzrispen-Bunt-Schwingel Festica versicolor subsp. brachystachys