Der Quellreichtum des Gesäuses

Lebensspendendes Nass in der sonst verkarsteten Landschaft.Insgesamt rund 900 Gewässerpunkte, davon 650 Quellaustritte, 30 Schwinden bzw. Versickerungen und 115 Tümpel wurden auf 12.000 Hektar bisher erfasst. Die meisten größeren Quellen treten aus dem Dachsteinkalk zutage. Solche Formationen finden wir vor allem in der zentralen und östlichen Buchstein- und Hochtorgruppe, am Reichenstein und am Lugauer. Doch auch „Nicht-Karst-Quellen“ kommen im Gesäuse vor.

Bisher erfasste und untersuchte Quellen des Nationalparks.Viele Quellen sind aus ökologischer Sicht viel versprechend und zum überwiegenden Teil unberührt. Die Zusammensetzung der Fauna im Quellmund entspricht oft nur zu 10 % jener im benachbarten Gebirgsbach. Quellspezialisten geben sich mit Arten der unterirdischen Karsthöhlen ein Stelldichein.

Unerforschte Welten

Die interdisziplinäre Quellforschung im Nationalpark brachte bisher Sensationelles: 8 Arten sind neu für die Wissenschaft entdeckt worden, darunter die Steinfliegenart „Leuctra astridae“. Weitere 118 Arten konnten erstmals für Österreich nachgewiesen werden. Das zeigt, wie wenig bisher über Quellen und die darin lebenden Organismen bekannt ist.

Tuff-Quellen sind EU-geschützte LebensräumeKnapp 10 % der Quellen im Gesäuse sind genutzt, meist als Weidetränken oder Wegbrunnen, und unterschiedlich stark beeinträchtigt. Damit steht das Gesäuse gut da, denn in vielen übernutzten Regionen nördlich und südlich der Alpen sind Quellbiotope zu 100 % beeinträchtigt oder überhaupt verschwunden! EU-weit zählen nur Quellen mit Tuffbildungen zu den besonders geschützten Lebensräumen. Hier offenbart sich eine schmerzliche Lücke, da viele nicht tuffbildende Quellen mindestens genau so wertvoll sind. „Tuffstein“ entsteht übrigens durch die Versinterung (mineralische Ablagerung) lebender Moose mit kalk-übersättigtem Quellwasser.

Mehr zu Quellen im Nationalpark in den Schriften des Nationalparks Gesäuse Band 7 (Quellen).

Der Anhang mit dem Verzeichnis der dokumentierten Quellen und den Taxalisten steht hier zum Download zur Verfügung:

 

Trinkwasser im Überfluss

„Bergfrisches“ Wasser ist ein einmaliger Genuss für alle Wanderer und Bergsteiger. Chemisch ist an den Karstwässern meist nichts auszusetzen. Nitrate, Sulfide, Pestizide und Mineralöle sind im Hochgebirge kein Thema. Die Bergquellen sind hier bis auf wenige Ausnahmen weit unterhalb der Grenzwerte. Weil die Klüfte im Karst aber unverhältnismäßig weit offen sind und das Wasser sehr schnell durchläuft, kommen auch Bakterien mit. Die österreichische Trinkwasserverordnung betrachtet das Karstquellwasser deswegen etwas skeptisch. Auch wenn die Gefahr gering ist, so ist bei Quellwasser doch immer etwas Vorsicht geboten.