Waldbewohner

RothirschJe vielfältiger die Strukturen im Wald, desto vielfältiger sind auch seine Bewohner. Sie nutzen das üppige Pflanzenangebot, verstecken sich im Dickicht, wohnen in abgestorbenen Bäumen oder suchen in den dichten Baumkronen Schutz. Reh, Hase, Fuchs, Specht und Käfer – sie alle sind Teil des Nahrungsnetzes im Lebensraum Wald.

Die anpassungsfähigen Rehe findet man auch im Gesäuse.Das Reh ist die am weitesten verbreitete und häufigste Schalenwildart Österreichs. Aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit trifft man es vom reinen Feldrevier bis ins Hochgebirge an. So auch im Nationalpark Gesäuse, wo die montane bis tiefsubalpine Region das hauptsächliche Verbreitungsgebiet darstellt.

Es tragen nur Böcke ein Geweih, das aus Knochen besteht und jährlich im Spätherbst bis Winter abgeworfen wird, worauf es bis zum Frühjahr wieder neu gebildet wird. Geißen setzen im Frühjahr ein bis zwei Kitze. Je nach Eignung des Lebensraumes kann die Dichte der Rehe stark schwanken. Sie halten sich gerne in dichtem Jungwuchs auf und sind daher dementsprechend schwer zu sehen und auch kaum zu zählen.

Füchse spielen als die größten Beutegreifer die Gesundheitspolizei im Nationalpark.Der Rotfuchs lebt in selbstgegrabenen oder manchmal von Dachsen übernommenen Bauen. Dieses oft weitläufige System aus Röhren und Kesseln verlässt er nur nachts. Fünfzehn bis zwanzig Mäuse pro Tag - oder tausende Wühl-, Wald- und Rötelmäuse pro Jahr - kann ein Fuchs erbeuten. Die Nager können sogar über 50 % seiner Nahrung ausmachen. Damit nimmt er bedeutenden Einfluss auf die fortpflanzungsstarken Tiere, die im Wald auch mitverantwortlich für den Verbissdruck sind (Wurzel- und Rindenschäden). Leicht erreichbare Nahrungsquellen sind für den Fuchs auch kranke und reaktionsschwache Tiere, sowie Kadaver, die zahlreich an Straßen anfallen, und sogar Müll. So verhindert der Fuchs gleichzeitig die seuchenhafte Ausbreitung von Krankheiten unter seinen Beutetieren. Im Winter und im beginnenden Frühjahr macht auch Aas einen wichtigen Nahrungsbestandteil aus. Damit übernimmt der Fuchs die sprichwörtliche Aufgabe einer Gesundheitspolizei.

Nachts gehen die Fledermäuse auf Insektenjagd.Fledermäuse sind auch in unseren Wäldern unterwegs. Sie verkriechen sich im Sommer unter rissigen Borken und nutzen Baumhöhlen als Schlafplatz. In den Höhlen des Gesäuses können sich viele von ihnen gleichzeitig zur Überwinterung einfinden. Fledermäuse orientieren sich mithilfe von Ultraschalllauten - das heißt, sie sehen mit den Ohren!

Von den 14 nachgewiesenen Fledermausarten leben und jagen viele davon im Laub- und Mischwald. Sie ernähren sich hauptsächlich von Insekten, die sie nachts mit ihren Ultraschalllauten aufspüren und mit den spitzen Zähnen fangen.

Auerhähne beeindrucken zur Paarungszeit im April/Mai ihre Hennen.Der Auerhahn ist ein faszinierender und interessanter Bewohner von lichten Altholzbeständen. Während der Hahn mit seinem metallisch grün-blau glänzenden Gefieder bei der Balz Eindruck macht, bleibt die Henne mit rostbraunem marmorierten Gefieder unauffällig. In der Balzzeit fallen bei beiden noch die leuchtend roten „Rosen“ über dem Auge auf. Der Nachwuchs dieser Hühnervögel wird im Verborgenen am Boden aufgezogen. Die Küken ernähren sich zunächst von Ameisen und anderen Insekten. Erwachsene Tiere fressen Heidelbeeren und andere Beeren des Waldes, im Winter Knospen, Nadeln und Flechten. Das Auerwild reagiert empfindlich auf Veränderungen seines Lebensraumes und toleriert häufige Störungen nicht.

Bockkäfer, wie der Alpenbock, sind Totholzspezialisten.Unter den Insekten ist der Alpenbock der auffallendste und schönste Käfer der heimischen Bergwelt. Sein Körper wird rund vier Zentimeter lang und weist eine charakteristische schwarz-hellblaue Flügeldecken-Zeichnung auf. Bei allen Bockkäfern sind die Männchen an den deutlich mehr als körperlangen Fühlern von den Weibchen zu unterscheiden. Die Larven des Alpenbocks entwickeln sich in abgestorbenem Buchenholz und benötigen eine Entwicklungszeit von 2 bis 5 Jahren. Die erwachsenen Tiere schlüpfen in der zweiten Julihälfte und sind dann an sonnigen Buchenstandorten zu beobachten. Bereits kurz nach der Paarung und Eiablage geht das Leben dieser Käfer wieder zu Ende.