Geschichte der Gesäusewälder

Holz als wertvoller Rohstofflieferant musste mühsam zu Tal gebracht werden. Holz war seit dem Beginn der Erzverarbeitung ein wertvoller Rohstoff. Der Bedarf an Holzkohle durch Hochöfen und Hammerwerke stieg im Mittelalter stetig an. Es musste damals sogar vor der Übernutzung der Wälder gewarnt werden.

Kupfer und Eisengewinnung in früher Zeit

In Johnsbach kann man an Hand der zahlreichen Funde von Kupferschmelzöfen bis in die Zeit von ca. 1800 v. Chr. eine bedeutende Nutzung von Kupfererzvorkommen feststellen. Damit verbunden war schon früh ein großer Holzkohlebedarf.

Der Wald war im frühen Mittelalter bereits der wichtigste Rohstofflieferant für die Verhüttung von Eisen und den Betrieb der Salinen. Holz wurde für den Bergbau, für die Errichtung der Wohn- und Wirtschaftsgebäude, für Beheizung, Brücken und für viele andere Zwecke gebraucht. Es trat damals schon örtlich Holzknappheit aufgrund des betriebenen Raubbaues auf, auch Hochwässer und Lawinen folgten. Der Verjüngungszeitraum des Waldes betrug damals ein halbes Menschenalter, was bedeutete, dass der Wald auf einer Nutzfläche 30 Jahre brauchte, um wieder Fuß fassen zu können.

Wertvoller Rohstoff des Mittelalters

1495 erließ Kaiser Maximilian seine Waldordnung. Sie diente aber in erster Linie der Rohstoffversorgung und brachte das kaiserliche Holzregal (Waldungen im Bereich von Erzverhüttungen waren dem Kaiser zur Nutzung vorbehalten) in deutliche Erinnerung. Erst in zweiter Linie sorgte man sich um den Schutz und die Erhaltung des Waldes.

Der Hieflauer Rechen. Heute kann man im Köhlerzentrum noch die alten Holznutzungsformen nachvollziehen.Die Fertigstellung des Hieflauer Rechens im Jahre 1516 war ein Meilenstein in der Holznutzung und Waldbewirtschaftung des Gebietes. Die Hieflauer Hochöfen und die Hämmer in der Umgebung zehrten massiv an den Holzreserven beiderseits der Enns bis zu den Füßen des Dachsteins im Westen des Ennstals. So kam es sogar, dass der Abt von Admont seinem Landsherrn berichtete, dass durch die Übernutzung der Wälder der Holzbedarf des Grundherrn und seiner Untertanen bedroht sei.

1625/1626 kam es zur Gründung der Innerberger Hauptgewerkschaft, die 1630 mit dem Stift Admont einen Wäldervergleich abschloss. Dieser Vergleich sicherte der Hauptgewerkschaft die vorwiegende Forstnutzung, dem Stift dagegen Grundbesitz, Jagd und Fischerei.

1872 schloss die Innerberger Hauptgewerkschaft erneut einen Vertrag mit dem Stift Admont, wodurch erstere den Großteil der Waldungen östlich des Gesäuseeinganges besitzrechtlich übernahm.

Von der Holzkohle zur Steinkohle

Im selben Jahr wurde die „Kronprinz-Rudolf-Bahn“ durch das Gesäuse eröffnet. Durch die Eisenbahn verlor die Holzkohle an Bedeutung, da nun die Steinkohle schnell und problemlos ins Land gebracht werden konnte. Für die Forstwirtschaft bedeutete dies eine vollkommene Umstellung. Die Wälder waren für die Innerberger Hauptgewerkschaft damit als Rohstofflieferant uninteressant geworden.

So übernahmen besitzrechtlich die Steiermärkischen Landesforste am 1. Jänner 1889 unter anderem auch das Gebiet des heutigen Nationalparks Gesäuse.

Mehr zur Waldgeschichte im Band 1 der Schriften des Nationalparks Gesäuse