Lebensraum Wald

Der Wald im Nationalpark Gesäuse, die Vielzahl der Standorte führt zu vielfältigen Waldbildern.Mit einem Flächenanteil von etwa 50 % ist der Wald ein prägender Lebensraum im Nationalpark. Er war in der Vergangenheit eine wichtige Ressource in der Region, von der Gewinnung der Holzkohle bis zur heutigen Forstwirtschaft war ein langer Weg. Auch die Umwandlung von den fichtendominierten Wirtschaftswäldern zu gut strukturierten Mischwäldern mit Fichte, Tanne und Buche wird im Nationalpark Gesäuse seine Zeit benötigen.

Wie der Nationalpark dieses Ziel erreichen will ist im Managementplan Wald beschrieben.

In unzugänglichen Lagen gibt es im Gesäuse auch jetzt schon zum Teil sehr natürliche bzw. naturnahe Waldbestände. Diese sind wichtige Ruhegebiete für unsere Wildtiere. Letzte Naturwaldreste finden sich entlang der Enns in den Hochwasserzonen der Auwälder. Im Bereich der Zwischenmäuer entlang des Johnsbaches zeigen sich an den steilen Südhängen Rotföhren-Wälder. Und ganz oben an der Waldgrenze durchwandert man Lärchen-Zirbenwälder, die viele hundert Jahre alt sind.

Die Vielfalt der Wälder im Gesäuse

Der Wald im Nationalpark Gesäuse, die roten Bereiche stellen jene Flächen dar, die derzeit im Rahmen des Waldmanagements noch zu Mischwäldern umgewandelt werden.

Die besondere Vielfalt der Wälder im Gesäuse ist faszinierend und hat bereits Jürgen Thum (Forstdirektor i.R. d. Stmk. Landesforste) dazu veranlasst seine waldbauliche Dissertation zu den Gesäusewäldern zu verfassen. Aufbauend auf dieser Arbeit konnte der Nationalpark mit Hilfe einer Standortserhebung insgesamt 50 definierte Waldtypen für das Gebiet ausweisen. Für nähere Details dazu sei auf die Forschungsberichte unter Veröffentlichungen auf unserer Website verwiesen. Eine vereinfachte, zusammenfassende Darstellung mit 22 unterschiedlichen Waldtypen findet man auf der 2009 erstellten Waldkarte des Nationalparks Gesäuse.

Wunsch…

Ein Großteil der Wälder im Gesäuse würde von Fichten, Tannen und Buchen aufgebaut sein.Das Ziel ist es im Nationalpark langfristig gut strukturierte, standortsangepasste und ihrem natürlichen Werden und Vergehen unterworfene Wälder zu finden. Wie diese Wälder aussehen würden, kann man an wenigen unwegsamen Stellen des Nationalparks jetzt schon beobachten. Großflächig kann man diese „Urwälder“ in unseren Breiten nur noch im Wildnisgebiet Dürrenstein finden. Dieses bildet für uns somit eine Referenz und zeigt uns wohin wir uns, in Zukunft bewegen müssen. Artenreiche Wälder aus regional angepasstem Baumbestand sind auf jeden Fall auch widerstandsfähiger hinsichtlich Krankheiten, massenhaftem Befall mit Fichten-Borkenkäfer oder auch flächigem Zusammenbruch durch extreme Witterungsereignisse.

…und Wirklichkeit

Die Art der Bewirtschaftung unserer Wälder in den vergangenen Jahrhunderten führte zur Umwandlung vieler Mischwälder in reine Fichtenforste.Derzeit zählen im Gesäuse neben den Latschengebüschen die Fichtenforste noch zu den prägendsten Waldtypen. Sie nehmen jeweils ca. 15 % der Fläche ein. Die Buchenwälder und Fichten-Tannen-Buchenwälder kommen derzeit nur auf etwa 12 %, würden aber nach abgeschlossener erfolgreicher Umwandlung dann mit etwa 25 % Flächenanteil der dominante Waldtyp im Gesäuse sein. Dieses Ziel zu erreichen ist eine Aufgabe von Generationen und stellt für die Nationalpark-Verwaltung eine große Herausforderung dar. Die nicht mehr zu leugnende Klimaerwärmung wird diesen Prozess jedoch beschleunigen und unterstützen.