Arten, die die Wissenschaft 2017 begeisterten

 Endemiten-Forschung im Nationalpark Gesäuse

Vor 12 Jahren wurde im Nationalpark Gesäuse eine neue Tierart entdeckt: Astrids Steinfliege (Leuctra astridae). „Der Name „Astrids Steinfliege“ für eine von mir erstmals beschriebene Art ist für mich die Verknüpfung meiner beiden Leidenschaften. Zum einen ist Astrid der Name meiner Frau. Sie liebt die Berge und die Quellen, an welchen diese Tiere leben. Zum anderen sind die Stein- und Köcherfliegen meine große Leidenschaft.“ erläutert Wolfram Graf von der Universität für Bodenkultur in Wien. Es handelt sich um einen besonderen Fund, denn diese Art ist bis heute nur aus dem Gesäuse bekannt. Die nächstverwandten Arten finden sich in den südlichen Westalpen.

Arten, die ein so kleinräumiges Verbreitungsgebiet haben, nennt man Endemiten. Der Nationalpark Gesäuse ist eine „Endemiten-Schatzkiste“. Kein anderes Gebiet in Österreich beherbergt eine solche Vielfalt an endemischen Arten. Im Rahmen eines mehrjährigen geförderten Projektes (EU und Naturschutzmittel des Landes Steiermark) konnten die Nachweise von endemischen Arten im Gebiet erhöht werden. Insgesamt zählt man derzeit 30 endemische Pflanzenarten und mehr als 150 endemische Tierarten im Nationalpark Gesäuse.

Bei den Tierarten gelangen neben „Astrids Steinfliege“ mehrere Sensationsfunde im Gesäuse: Der Steirische Nordostalpen-Blindkäfer (Arctaphaenops angulipennis styriacus) wurde erstmals seit 80 Jahren in einer Höhle im Gesäuse wiedergefunden. Im letzten Jahr kam es erneut zu einem Überraschungsfund in einer Höhle im Gesäuse. Ein Tasterläufer, ein besonders an das Leben in der Finsternis angepasstes Spinnentier, wurde entdeckt. Es handelt sich wohl um eines der seltsamsten Tiere unserer Breiten: Der Tasterläufer Eukoenenia spelaea ist ein blinder Zwerg (ca. 1,5 mm) mit zweigeteiltem Körper, mächtigen Zangen und laufbeinartigen Tastern. Besonders interessant erscheint der lange behaarte Schwanz, der - katzenartig - senkrecht nach oben gestreckt - getragen wird. Der Nachweis in der Odelsteinhöhle in Johnsbach ist einer von nur vier gesicherten Nachweisen dieser Art in Österreich.

Die meisten endemischen Arten im Gesäuse sind besonders an das Leben unter widrigen Bedingungen angepasst. Sie haben sich diese Fähigkeit in der letzten Eiszeit angeeignet und sind jetzt meist in den Gipfelbereichen oder eben in Höhlen anzutreffen. „Dort sind sie im Nationalpark auch gut geschützt, allein die lebensbedrohliche Klimaerwärmung macht auch vor einer Schutzgebietsgrenze nicht Halt. Der Nationalpark Gesäuse wird sich auch in den nächsten Jahren seinen Endemiten widmen und versuchen, mehr über diese verborgenen Schätze zu erfahren. Der Schlüssel, diesen gefährdeten Arten eine Überlebenschance zu geben, ist die Erforschung ihrer Verbreitung und Lebensraumansprüche.“ zeigt sich Daniel Kreiner, Forschungsleiter im Nationalpark Gesäuse, begeistert.

Rückfragehinweis:
Mag. Daniel Kreiner, Nationalpark Gesäuse +43 664 8252303, daniel.kreiner@nationalpark.co.at

 


Ein Tasterläufer mit langer „Antenne“ © Christian Komposch, ÖKOTEAM
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