Neue Mittelschule Admont


Neue Mittelschule Admont – Eine Nationalpark-Partnerschule geht neue Wege…

Seit nunmehr drei Monaten ist die vormalige Hauptschule Admont eine Neue Mittelschule – mit einem starken Bezug zu Natur- und Umweltschutz und dem Nationalpark Gesäuse als kongenialen Partner für einen in dieser Weise österreichweit einzigartigen Ausbildungsweg. Grund genug, mit der überaus engagierten Direktorin, Frau Dir. Sonja Vucsina, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen:

Seit dem Beginn des aktuellen Schuljahres beschreiten die beiden ersten Klassen der Neuen Mittelschule Admont eine gänzlich neue Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Gesäuse. Wie sieht Ihr erstes Resümee dazu aus?

Dir.in Vucsina: „Die Neue Mittelschule Admont ist Nationalparkschule und hat im Nationalpark Gesäuse einen starken Partner gefunden - nicht im Sinne von Konsumieren der Angebote, sondern im Sinne einer intensiven Zusammenarbeit! Beispiele  dazu sind etwa die Verankerung des Nationalparks im Stundenplan von der 5. aufsteigend bis zur 8.  Schulstufe: fächerübergreifend eine 14-tägige Doppelstunde (gemeinsam mit Lehrer/innen und Rangern, stets unter dem Motto Wasser, Wald/Alm, Fels), 9 halbtägige Outdoor-Module und 2 Projekteinheiten am Beginn und am Ende des Schuljahres für die vierjährige Junior-Ranger-Ausbildung.  Die unheimlich spannenden „Schnittmengen“ zwischen unterschiedlichen Fächern, Bereichen aus der Berufs- und Arbeitswelt, Kunst, Wissenschaft, Bergrettung ... werden sichtbar mit Fotos, Radiofeatures (mit Radio Freequenns), Praxistagen im Wald und auf der Alm, 1. Hilfe, Geschichten und Erzählungen derer, die mit der Region biografisch verwoben sind, als eine Beschäftigung mit den eigenen Wurzeln.“

Und wie werden die Mitarbeiter des Nationalparks in der Schule aufgenommen?
 
Dir.in Vucsina: „Die Ranger des Nationalparks sind Teil des Schulteams und gemeinsam schaffen wir Möglichkeiten, die Lebenswelten, das Lebensumfeld der Schüler/innen „be-greifbar“ (sichtbar, hörbar, nachvollziehbar) zu machen.“
 
Weshalb hat sich die Neue Mittelschule Admont so intensiv in dieses Projekt der Schulpartnerschaft mit dem Nationalpark Gesäuse hineingewagt?

Dir.in Vucsina: „Die Gesellschaft unterliegt erheblichen Veränderungen. Die Familiensituationen sind vielfältiger geworden, die Kindheit hat sich geändert - mehr Vereinzelung, Verkleinerung der natürlichen Lebens- und Spielräume, und damit einhergehend auch ein Verlust an Naturerfahrungen und Erkundungsmöglichkeiten - einerseits. Andererseits leben die Schüler/innen in einer großen Breite an Bedingungen und Möglichkeiten durch Fernsehen, Computer, World Wide Web, durch sogenannte Freunde im „Niemandsland“  Facebook, Twitter... - ein weites Spektrum an unterschiedlichen Voraussetzungen, sozialen Kontakten, Wissenserwerb. Das stellt Schule vor teilweise unterschiedliche Anforderungen - Lernort, Platz für soziale Beziehungen, Differenzierung,
Integration, Qualifikation, Vielfalt, Standards und Individualisierung. Wir gehen davon aus,  dass erst die Bewusstheit des eigenen Umfelds, des „Nationalparks vor der eigenen Haustüre“, die gelebte Erfahrung darin, ein „Ver-orten“ u.v.m. Bausteine sind auf dem Weg zum eigenen Selbstwert, zu einem besonderen Lernen, das vernetzt ist und den Weg in größere Zusammenhänge ermöglicht:  
Lernen – als ein Erfahren im Sinne von Terrain gewinnen, ein Zuwachs an Welt. Es geht uns um die kollektive Intelligenz der Gesellschaft, ihre Zukunftsfähigkeit, die globale Vernetzung im weitesten Sinn.“

Wie sieht jetzt eigentlich eine „Nationalparkstunde“ in der Praxis aus?

Dir.in Vucsina: „Im ersten Jahr schaffen wir Raum für Schlüsselqualifikationen: Wahrnehmungsschulung, Beobachten von Tieren, Pflanzen, Naturphänomenen, Sammeln, Ordnen, Orientieren. Wir greifen Alltagserfahrungen auf (sich auf den Winter vorbereiten - Früchte trocknen, Gemüse konservieren) und regen Reflexionsprozesse an - ein Nachdenken über Natur, Lebensraum, Nachhaltigkeit... (siehe auch unsere Homepage: www.nmsadmont.at ) – die Fragestellungen liegen nah am Alltags-, Arbeitsleben, bei Handwerker/innen und Bauern/Bäuerinnen. Die Schüler/innen setzen sich mit der eigenen Geschichte auseinander, dokumentieren dies mit einem Hausbuch oder durch regelmäßige Beobachtungen, erstellen ein Tourenbuch, Baumprotokolle, Fotos, Dokumentationen, Blogs, Ausstellungen etc., um sich ein eigenes Bild aufzubauen. Wichtig für die Schüler/innen ist es, von sich aus Sinn zu finden, zu ordnen,  Zusammenhänge (Ökologie, Umweltschutz...) zu erkennen und herzustellen.
In konzentrischen Kreisen, Schritt für Schritt, in 4 Schuljahren erweitern wir unseren Handlungs- und Denkraum und lernen gemeinsam. Essentiell ist es, die Dinge verstehen, um Verantwortung zu übernehmen.

Wie reagiert das Umfeld, die Familien, die Mitmenschen auf dieses Projekt?

Dir.in Vucsina: „Wichtig sind uns die Begegnungen mit anderen Bezugspersonen, anderen Räumen, um andere Lebensformen zu entdecken und aus dem Gewohnten herauszukommen – und um nicht festgeschrieben zu werden. Somit findet auch ein kultureller Austausch statt, naturforschendes, -wissenschaftliches Denken als ein generationales Bildungsbündnis - die Erwachsenen reaktivieren mit den Fragen der Kinder die oftmals aus ihrem Alltag verschwundenen eigenen Fragen
und geben Wissen weiter - von Generation zu Generation. Erwachsene werden so zu kritischen Begleiter/innen der Lernprozesse der Schüler/innen, indem sie nicht nur Antworten geben, sondern zum Nachdenken herausfordern, Alternativen aufzeigen und auch Zweifel äußern. Die Schüler/innen brauchen den interessierten Blick eines Erwachsenen, Erfahreneren auf die eigenen Lernfortschritte - eine naturwissenschaftliche „Alphabetisierung“.“

Was sind aus ihrer Sicht die größten Herausforderungen auf diesem Weg?

Dir.in Vucsina: “ Es ist für die Lehrer/innen, aber auch für die Ranger eine Herausforderung, den Schüler/innen die Welt in eine Form zu übersetzen und sie ihnen in einer Vielfalt vorzustellen, die sie die eigenen Möglichkeiten entdecken lässt. Das Erreichen von Aufmerksamkeit im Sinne von: „Ich denke über das nach, was mich überrascht und neugierig macht.“ Diese Form von Unterricht bedeutet mehr als Fakten, mehr als Information, ist Wissensvermittlung in Form von Erinnerungen, Routinen, offenen Fragen, Zweifel, Handeln, Erfahrungen...ein Austausch mit der Lebensumwelt auf vielfältige Weise. Ein offenes Lernen als eine pädagogische Haltung nicht als methodische Maßnahme!

Ihre Ziele für die Nationalpark-Partnerschule NMS Admont für die nächsten Jahre?

Dir.in Vucsina: „Die Welt nicht nur als etwas Vorgefundenes erfahren, sondern für sich neu zu entdecken erfordert eine Vermittlung zwischen Erfahrung und Wissen, zwischen einem natürlichen, ursprünglichen Verstehen und einem exaktem Denken. Ich sehe die Neue Mittelschule Admont nicht nur als „Antwortschule“, sondern genauso auch als „Frageschule“! Und ich bin fest überzeugt davon, im Nationalpark Gesäuse die entsprechende Unterstützung gefunden zu haben, damit uns diese Fragen nicht ausgehen....“

Frau Dir.in Vucsina, vielen Dank für das Interview


Allgemeine Presseanfragen an:  Isabella Mitterböck
isabella.mitterboeck@nationalpark.co.at, Mobil: +43 664 34 65 629

Spezifische Fragen zu dieser Meldung an:  Martin Hartmann
martin.hartmann@nationalpark.co.at; M: +43 664 82 52 304




Neue MS Admont Schneeschuhwanderung
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Neue MS Admont Schneeschuhwanderung 2
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