Warum der Frauenschuh nicht im Garten wächst ...

Orchideen gelten als besondere Kostbarkeiten der heimischen Flora. Waldvögelein, Knabenkraut und Ragwurz zählen zu den insgesamt 34 Arten, die man im Nationalpark Gesäuse beobachten kann. In der gesamten Nationalpark Region sind es sogar 50 bekannte Arten, welche vor allem im Frühsommer prächtig blühen. Obwohl die Orchideen im Nationalpark gut erforscht sind, gibt es dennoch immer wieder Neues. So konnte vergangenen Sommer eine neue Kohlröschen Art – Nigritella bicolor – am Lugauer bestätigt werden.

Eine besonders imposante Art ist der Gelbe Frauenschuh, zu Latein Cypripedium calceolus. Er ist die größte heimische Orchidee und wächst mit Vorliebe in halbschattigen, naturnahen Wäldern. Wie die meisten anderen Orchideenarten wird der Frauenschuh von Insekten bestäubt. Dabei hat er eine ganz spezielle Taktik: der untere Teil der Blüte ist zu einer sogenannten Kesselfalle ausgebildet. Landet ein vom Duft angelocktes Insekt, so rutscht es am glatten Rand ab und gleitet in den Kessel. Diesen kann es nur über einen schmalen, behaarten Streifen verlassen. Am Weg nach draußen bekommt es die Pollenpakete aufgeladen, bzw. streift schon vorhandene Pollen an der Narbe (der weibliche Teil der Blüte) ab.

Der Frauenschuh ist auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten, wie auch im Anhang II der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie angeführt. Damit ist diese Art in Österreich und der gesamten EU streng geschützt. Die natürlichen Vorkommen werden im Nationalpark Gesäuse jährlich untersucht und genau kontrolliert. Illegales Pflücken der Pflanzen wird streng geahndet. „Leider kommt es immer wieder vor, dass Leute ganze Stöcke ausgraben, für den eigenen Garten zu Hause", erklärt Herbert Hinterreiter, Nationalpark-Ranger und fachkundiger Orchideen-Liebhaber. „Dabei haben die Pflanzen im Garten oder im Blumentopf praktisch keine Überlebenschance, da die Art sehr hohe Ansprüche hinsichtlich des Standortes hat. Der Frauenschuh braucht das milde Waldklima und den richtigen Boden, das gibt es eben nur an den natürlichen Standorten", fügt er hinzu.

Dabei wäre es so einfach, diese prächtige Orchidee in der freien Natur zu beobachten und zu bewundern. Beispielsweise entlang des Sagenweges, vom Weidendom ausgehend, kann man zu dieser Jahreszeit den Frauenschuh in voller Blüte direkt entlang des Weges finden. Wer sich nicht nur für den Frauenschuh, sondern auch für anderen heimischen Orchideenarten interessiert, kann an einer geführten „Orchideen-Wanderung" im Nationalpark Gesäuse teilnehmen. Nationalpark Ranger kennen die schönsten Plätze zum Orchideen-Beobachten und wissen viel Interessantes zu den einzelnen Arten zu erzählen.

Termine Orchideenwanderung im Nationalpark Gesäuse: 24. und 31. Mai, 19., 20. und 27. Juni.

Nähere Informationen und Anmeldung: Nationalpark Gesäuse Infobüro
Tel: +43 3613 21160 20; www.nationalpark.co.at

Rückfragehinweis Frauenschuh und Orchideen: Mag. Tamara Höbinger
Tel: +43 664 8252 310; tamara.hoebinger@nationalpark.co.at

 

 

Frauenschuh © Nationalpark Gesäuse, Marek
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Dactylorhiza fuchsii © Nationalpark Gesäuse, Hollinger
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Kohlröschen an der Planspitze © Nationalpark Gesäuse, Kerschbaumsteiner
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Knabenkraut © Nationalpark Gesäuse, Hollinger
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