Fischbestände an der Enns haben Tiefststand erreicht

Alles für die Fisch!

Der leidenschaftliche Fischer Hans Sautler packt seinen trockenen Kescher in den Kofferraum. „Wieder nichts“, seufzt er achselzuckend. Seit vielen Jahren haben sich die Enns-Fischer an geringen Angelerfolg gewöhnt, aber so gering wie heuer war die Beute noch nie. Fischer Sautlers Meinung, nach der allein Kormoran und Fischotter an der Situation schuldig seien, wird nicht von allen geteilt. Welche Rolle spielt der Schwallbetrieb von Kraftwerken? Können Ufer-Renaturierungen Abhilfe schaffen? Eines ist sicher: Die Fischbestände der Enns haben im Moment einen Tiefststand erreicht.

Die einfache Erklärung dafür:

Am Einbruch der Bestände kann nur der Zuzug der Fressfeinde Kormoran und Fischotter Schuld sein. Die einfache Lösung dafür: Abschussgenehmigungen! Doch so einfach ist das Ganze nicht: Der Kormoran spielte eine wesentliche Rolle für die Entwicklung der Fischbestände in der Enns. Mitte der 1990er Jahre war der sehr hohe Kormoranbestand wahrscheinlich das Züngelchen an der Waage. Es kam zu einem Zusammenbruch des Fischbestandes. Dabei muss man aber beachten, dass der Fischbestand schon davor massiv beeinträchtigt war. Die Fischartengemeinschaft war schon stark reduziert. Barbe und Nase fehlten fast gänzlich. Das war jedoch eine Folge der umfassenden Regulierung der Enns, der energiewirtschaftlichen Nutzung und der daraus resultierenden Schwallbelastung der Fischartengemeinschaft. Die bestehende Beeinflussung durch Gewässerverbauung, Schwall und nicht zuletzt auch Fischprädatoren verhindern jetzt eine Erholung der Fischbestände in der Enns. Besonders das Jungfischaufkommen wird durch die Schwallbelastung und fehlende Strukturen stark reduziert. Eine Erholung des Fischbestandes ist nur durch auf großer Fläche wirksame Maßnahmen, wie Abbau der Schwallbelastung der Kraftwerke Sölk und Salza, und umfangreiche Gewässerrenaturierung möglich.

Was kann man zur Verbesserung der Fischbestände tun?

Es ist jetzt umso wichtiger, alle Anstrengungen darauf zu verwenden, die dringlichsten Aufgaben an der Enns, wie die Wiederherstellung einer natürlichen Gewässermorphologie sowie die Reduktion des Schwall- und Sunkbetriebes, aber auch eine nachhaltige Bewirtschaftung anzugehen. Der Fischökologe Franz Lumesberger-Loisl meint dazu: „Es muss doch im Sinne aller sein, dass die Enns wieder ein Fluss voller Leben wird, in dem ein natürliches, ökologisch ausgewogenes Verhältnis zwischen den für die Angler interessanten Fischarten, naturschutz-relevanten Arten und nicht zuletzt auch für Fischfresser, die eben auch zum Arteninventar eines natürlichen Fließgewässers gehören, herrscht.“

Im Rahmen einer Infoveranstaltung des Nationalparks Gesäuse gemeinsam mit dem Steirischen Fischereiverband sollen diese Themen diskutiert werden. Neben Experten zu Fischgenetik und Ökologie werden auch Biologen zum möglichen Einfluss der Fressfeinde Auskunft geben können.

Workshop zum Thema „Alles für die Fisch?“ – Zum Zustand der Fischfauna in der Steirischen Enns Freitag 18.3.2016, 9:30 bis 16:30 Gasthof Mooswirt, Landl

Anmeldung unter: info@nationalpark.co.at oder +43 3613 21160 20. Die Teilnahmegebühr von € 30,- enthält auch Pausengetränke und Mittagessen.

Nähere fachliche Infos: Alexander Maringer, Nationalpark Gesäuse GmbH, alexander.maringer@nationalpark.co.at, +43 3613 21000 31 oder +43 664 8252314

 
 


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