LIFE-Waldmanagement: Voran zum Naturwald

Letztes Update: 31.12.2011; abgeschlossen


A3. Wald-Managementplan 2010 - 2030

C4. Naturwald-Management (Bestandesumbau)

Der Wald ist im Nationalpark das weitaus wichtigste Habitat: Seine vielen Variationen bedecken 50 Prozent des Schutzgebietes. Die schonende Rückführung eines Teiles der landeseigenen Forste in naturnahe Wälder ist daher eine wichtige Aufgabe.

Es geht dabei nicht darum, das "Rad neu zu erfinden". Bewährte Methoden aus der österreichischen Forstwirtschaft lassen sich auch für die Naturschutzarbeit effizient einsetzen. Schließlich ist die heimische Waldwirtschaft vom Nachhaltigkeitsgedanken geprägt, was in vielen anderen Regionen der Erde leider ein Fremdwort ist.

Daher plagte sich das LIFE - Team aus  Landesforsten und Nationalpark GmbH redlich damit, in den Jahren 2005 - 2009 den Waldmanagementplan, das einstige "Operat", grundlegend neu erstellen. Parallel und in Übereinstimmung damit werden dann diejenigen Maßnahmen gesetzt, die zur Entwicklung eines Naturwaldes überleiten sollen.



Das Hauptziel des Waldmanagements ist es, den Fichtenbestand zu verringern und selten gewordene, wertvolle Waldgesellschaften zu schützen und zu regenerieren.

Die Umsetzung wird noch etliche Jahre in Anspruch nehmen. Folgerichtig reicht der praxisnah aufgebaute Waldmanagementplan auch bis ins Jahr 2030. Das gültige Exemplar dieses Mehrstufenplanes können Sie mit einem Klick aufs nebenstehende Bild betrachten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass mit fortschreitender Zeit immer mehr Flächen "weiß" werden - in diesen Wäldern sollen außer bei dringender Gefahr keine Eingriffe mehr stattfinden.

Karte Nationalparkwald - Naturnähe

Karte LIFE - Waldmanagement und Zielarten

Karte LIFE - Waldmanagementplan 2010


Symbolisch für das LIFE Projekt "Waldmanagement": Kräftige Keimzellen für ein europäisches Naturwald - Reservat!

Die Fichte - Bestandteil des Bergmischwaldes ...

Im natürlichen montanen Bergmischwald, also unterhalb etwa 1500 Meter Seehöhe, wäre die Fichte mit durchschnittlich 25 - 30 Prozent  als Mischbaumart im Bestand vertreten. Nahe der Waldgrenze wird sie dann immer mehr zur beherrschenden Baumart.

Die Fichte kann sehr eindrucksvolle Gestalten ausbilden. Von den schlanken, pfeilerartigen "Spitzfichten" in schneereichen Regionen über mächtige, weitastige Solitärbäume im Alm- und Karstgelände bis hin zum knorrigen, manchmal über 400 Jahre alten Urwaldriesen.

Warum das LIFE - Projekt dennoch auf die Eindämmung der Fichte abzielt, hat seine Gründe in der Bewirtschaftungsweise der letzten Jahrhunderte.





"Spitzfichten" zählen zu den eindrucksvollsten und vitalsten Baumgestalten des Bergwaldes

... oder naturfremde Monokultur

"Fichtenäcker", Intensivforst, Waldsterben: Etliche negative Aussagen über die Forstwirtschaft sind darin begründet, dass die Fichte als „Brotbaum“ übermäßig stark gepflanzt und gefördert wurde.

Sie kommt aber auf manchen Standorten von Natur aus kaum oder nicht so beherrschend vor. "Weiche" Flussauen sind beispielsweise solche Gebiete. Die Fichte wird daher im Nationalpark Gesäuse zugunsten von Bäumen und Gehölzen, die an solchen Stellen "standortgerecht" wären, zurückgedrängt.

Besonders gilt das für die Fichtenreinbestände auf Auwaldflächen und im montanen Bergmischwald, die immer wieder Probleme mit der Massenvermehrung des „Buchdruckers“ machen (Ips typographus, die vom Forstmann am meisten gefürchtete Borkenkäferart).



Endstadium eines "Fichtenackers": Der Bestand bricht langsam zusammen, der Boden versauert, es kommt nichts mehr auf, Schädlinge nehmen überhand.

Borkenkäfer: Zerstörer und Gestalter

Unbestritten: Massenhaft ausfliegende Borkenkäfer können Fichtenwälder zuschanden fressen. Dies trägt dem unscheinbaren Tierchen wenig Sympathien und strenge Vormerkungen im Forstgesetz ein. Andersherum aber sorgt die Natur damit für ein harmonischeres Verhältnis von Laub- und Nadelholz im Bergwald.

"Käfernester", Gruppen abgestorbener Bäume, müssen auch im Nationalpark behandelt werden. Doch geschieht dies hier gleichzeitig mit der Einleitung einer "Bestandes-Überführung", also der stärkeren Herausnahme der Fichte und der Umwandlung in einen Mischwald. Abgestorbene Fichten, von denen keine Gefahr ausgeht, bleiben stehen (ebenso wie tote Stämme aller anderen Baumarten).

Für ein intaktes Ökosystem, das ja auch auf funktionierende Nahrungsketten aufbaut, sind solche stehenden Tothölzer enorm wichtig. Sie beherbergen eine Unmenge von holzbewohnenden Insekten, auf die bekanntlich die Spechte spezialisiert sind. Einige unserer Gesäuse-Spechtarten sind vom Aussterben bedroht, weil im "sauberen" Wirtschaftsforst alle abgestorbenen Bäume aus dem Bestand entfernt werden! Für das Ökosystem Wald sind Bäume in allen Verfallsstadien sehr wichtig.

 


Das gefürchtete "Käfernest" verliert in gut durchmischten Wäldern seinen Schrecken. Die abgestorbenen Fichten bleiben stehen.

Lebensraum für seltene Arten

Eine FFH-Art, der die Waldumwandlung zugute kommen wird, ist der Alpenbockkäfer. Dazu gesellen sich einige Spechtarten wie der sehr seltene Weißrückenspecht. Das Auerhuhn und das Haselhuhn, der Zwergschnäpper, die Gelbbauchunke, der Frauenschuh als eine der schönsten Orchideen und etliche weitere heimische Vertreter der Roten Listen setzen den Reigen fort.

Zu hoffen wäre auch, dass der künftige Gesäusewald für Durchzügler wie Bär und Luchs zumindest eine kleine Verschnaufpause bieten kann. Das Gesäuse liegt ja nicht weit von den großen Naturwaldflächen im Nationalpark OÖ. Kalkalpen  und vom Wildnisgebiet Dürrenstein (NÖ) entfernt, wo schon erfolgreiche LIFE Projekte durchgeführt wurden.

 

 

Liegendes und stehendes Totholz ist entscheidend für die Artenvielfalt und Stabilität des Bergmischwaldes.
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