Die Almwirtschaft ist ein äußerst komplexes System mit vielen verschiedenen Einflussfaktoren: Von den naturräumlichen Gegebenheiten bis zu den Förderungen der EU, vom kleinsten "Grasl am Stein" bis zu den globalen klimatischen Veränderungen.
Um möglichst viele dieser Faktoren zu berücksichtigen, wurden die unterschiedlichsten Wissenschaften einbezogen. Dabei sollen sich die einzelnen Fachgebiete am roten Faden, nämlich den Zielen des "Almmangementplanes" orientieren.
Ziel des Almmangements ist der Erhalt einer Ressourcen schonenden und ökologischen Almbewirtschaftung.
Der Forschungsansatz soll im eigentlichen Sinne des Wortes ökologisch sein. Daher dürfen die einzelnen Forschungsprojekte nicht nebeneinander ablaufen, sondern sie müssen miteinander kommunizieren, um den fruchtbaren Austausch zwischen den Disziplinen zu ermöglichen. Es geht uns letztlich darum, neue Lösungen durch die Verbindung der Teilergebnisse zu suchen und zu finden.
Um dieses Ziel zu erreichen, versuchen wir einen ständigen Dialog zwischen den einzelnen Fachleuten zu ermöglichen. Am Beginn stand ein Startworkshop, bei dem alle beteiligten Personen und Fachkreise vertreten waren und der Projektplan im Einzelnen vorgestellt wurde. Die folgenden Zeilen sollen den Aufbau des Projektes kurz umreißen.
Die vier beteiligten Fachbereichsgruppen - Was, wer, wie?
Almgeschichte, Almsoziologie: Josef Hasitschka
Almwirtschaft/ Franz Bergler, Gregory Egger, Martina Schwab
Naturschutzfachliche Bewertung/ Institut f. Natur- und Landschaftsschutz (INL, Thomas Frieß, Georg Derbuch), Christina Remschak, Daniel Kreiner (Fachbereich Naturschutz/Naturraum, Nationalpark Gesäuse)
Naturräumliche Bewertung/ Naturhistorisches Museum Wien (Günter Stummer, Rudolf Pavuza), Arbeitsgemeinschaft Gewässerbiologie (Erich Weigand)
Der Sulzkarsee ist wie eine Perle in die südlichen Gesäuseberge eingebettet
Die Sulzkaralm ist reich an Gehölzen und totholzreichen Waldbeständen - ein wertvoller Lebensraum für viele Arten.
Almgeschichte - Almsoziologie - Almgeschichten
Die Bearbeitung dieses Forschungsbereiches erfolgt durch Josef Hasitschka, einen Fachmann aus der Region, der diese durch seine langjährigen Erhebungsarbeiten bereits sehr gut kennt.
Wir wollen die Entwicklungen in der Vergangenheit besser nachvollziehen und daraus mögliche Schlüsse für die heutige Almwirtschaft ziehen. Auch werden interessante Geschichten vom Almleben auf der Sulzkaralm gesammelt und diese später in einen "Almgeschichtenweg" eingebaut.
Alle relevanten geschichtlichen Quellen zur Almwirtschaft auf der Sulzkaralm wurden von Hasitschka erhoben. Dabei wurden auch alte Kartenwerke und Photos entdeckt, die in unser digitales Archiv einfließen.
Interviews mit dem Senner, dem Obmann der Weidegemeinschaft und anderen ehemaligen Almnutzern sollen einen Vergleich mit den heutigen Verhältnissen ermöglichen.
Eine genaue Untersuchung der Verhältnisse auf den Heimbetrieben wäre wünschenswert. Aufgrund der hohen Anzahl von Almberechtigten wurde bei diesem Projekt darauf verzichtet, um den zeitlichen Rahmen einhalten zu können.
Dieser Bereich könnte jedoch mit einer Diplomarbeit noch zusätzlich beleuchtet werden.
Die Erstellung eines Almwirtschaftsplanes wird durch eine Arbeitsgemeinschaft bestehend aus Gregory Egger (Institut für Ökologie und Umweltplanung, methodische und fachliche Betreuung), Franz Bergler (Alminspektor, fachliche Betreuung) und Ing. Martina Schwab (Mitarbeiterin der Nationalpark Gesäuse GmbH bis 2004, Umsetzung) durchgeführt.
Was heißt Almwirtschaftsplan? Es geht uns nicht um die Einführung der "Planwirtschaft", aber um eine optimale Bewirtschaftung der Sulzkaralm und um den Erhalt einer guten und ausreichenden Futterqualität auf allen Flächen. Um dies zu erreichen ist es notwendig bestimmte Maßnahmen einzuleiten. Zum Beispiel soll es zu einem Ausgleich zwischen "intensiv" und "extensiv" beweideten Flächen kommen. Dies wäre zum Beispiel durch die Erschließung abgelegener Flächen oder durch ein durchdachtes Koppelungsverfahren zu erreichen.
Die Methode: Auf der Almfläche werden unterschiedliche Weidetypen erhoben und auf dem Luftbild abgegrenzt. Denn Weide ist nicht gleich Weide, auch wenn es auf den ersten Blick so ausschauen mag. Von der "fetten" Milchkrautweide, die viele "milchfördernde" Kräuter enthält, bis zur "mageren" Bürstlingsweide, die vom kammartig steifen Borstgras geprägt wird. Diese Einzelflächen werden schließlich anhand zahlreicher Parameter beurteilt. Zu diesen zählen zum Beispiel Ertrag, Futterqualität, Verunkrautung und Trittschäden. Durch die zusammenfassende Auswertung der Kartierung soll schließlich das Potential der Flächen und deren optimale Bewirtschaftung festgestellt werden.
Weidevieh auf der Sulzkaralm (im Hintergrund Rotofen und Sulzkarhund).
Eine "milde" Bürstlingsweide. Neben dem Bürstling (Kammgras) wachsen hier auch noch zahlreiche andere Kräuter und Gräser.
Naturschutzfachliche Bewertung
Diese wird sowohl von botanischer als auch von zoologischer Seite durchgeführt.
Aufbauend auf der erfolgten Kartierung der Weidetypen werden von Daniel Kreiner (Nationalpark Gesäuse GmbH) Vegetationsaufnahmen durchgeführt und Biotoptypen ergänzt.
Dabei werden alle vorkommenden Pflanzenarten auf einer bestimmten Fläche (10-20 m²) erhoben. Anhand dieser Artenlisten wird dann aufgrund mehrerer Faktoren (Vorkommen gefährdeter/geschützter/seltener Arten, Naturnähe, Artenvielfalt) der naturschutzfachliche Wert festgestellt.
Auf sechs ausgewählten Flächen, die das unterschiedliche Spektrum der Weidetypen umfassen, werden zusätzlich besonders geeignete Tiergruppen aufgenommen. Die Schmetterlinge (Tagfalter) werden von unserer Diplomandin Christina Remschak und die Heuschrecken und Wanzen von den externen Spezialisten Thomas Frieß und Georg Derbuch erhoben.
Die Kombination beider Bewertungsverfahren soll eine Beurteilung der Flächen entsprechend ihrer naturräumlichen Wertigkeit ermöglichen. Schließlich werden auch hier Vorschläge für ein den Lebensraum und seine Arten aufwertendes "Almwirtschaften" erarbeitet.
Botanische Erhebung auf einer Feuchtfläche (Kleinseggenried mit Wollgras)
Zoologische Fangmethode mit dem Kescher. Verschiedene Insekten sind wichtige Indikatorarten für Offenflächen.
Naturräumliche Bewertung
In diesen Bereich fallen die für die Sulzkaralm besonders charakteristischen und wertvollen Feuchtbiotope. Diese werden aufgrund ihrer großen Bedeutung und Sensibilität intensiv untersucht. In der Folge wird 2004 ein eigenes Projekt gestartet, das sich nur mit dem Sulzkarsee beschäftigen wird.
Voruntersuchungen zu diesem Projekt fanden 2003 statt. Mitarbeiter des Naturhistorischen Museums Wien führten Untersuchungen zur Hydrogeologie des Sulzkarsees durch, während eine Arbeitsgemeinschaft die Ist-Zustandserfassung zur Hydrobiologie aller Feuchtflächen der Alm (Sulzkarsee, Karstquellen und Fließgewässer) erstellte. Diplomarbeiten widmeten sich den Laichgewässern und Lebensräumen für Froschlurche und für Schwanzlurche.
Als schwerpunktmäßiges Ziel der Erhebungen sollen im Spätsommer und Herbst dieses Jahres die Auswirkungen der Almwirtschaft am Saisonende festgestellt werden.
Abschließend will ich in Erinnerung rufen, worum es uns eigentlich bei den Untersuchungen auf den Almen geht und was unsere Richtschnur ist: Gemeinsam mit den Almnutzern wollen wir für eine optimale Bewirtschaftung der Alm sorgen und den Erhalt der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt dieser einzigartigen Landschaft gewährleisten.
Hammerschlagseismik am Ufer des Sulzkarsees um die Verhältnisse im Untergrund festzustellen.
Quellflur auf der Sulzkaralm. Der Schutz der Gewässer ist nicht nur wichtig für viele Lebewesen, sonder auch für den Erhalt der Trinkwasserreserven.