Nationalpark Gesäuse | Steiermark - Österreich Nationalpark Gesäuse | Steiermark - Österreich
FORSCHUNGFauna: Wirbeltiere > Auerhühner  
Druckeroptimierte Version

Bewertung der Auerhuhn-Lebensräume im hinteren Johnsbachtal

Zum Projekt

Im Rahmen der Untersuchung wurde im Juli und August 2004 die Habitateignung eines rund 500 ha großen Gebietes um den Gscheideggkogel untersucht.

Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit den Steiermärkischen Landesforsten (A. Holzinger, Ch. Egger, H. Kranzer, R. Haslinger, K. Platzer, H. Reichenfelser) und der Steirischen Landesjägerschaft (H. Zeiler) durchgeführt. Die Freilanderhebungen wurden von Andreas Unterberger und Veronika Grünschachner-Berger durchgeführt.

Spurensuche

Trotz ihrer Größe können sich Auerhühner wunderbar verstecken. Man kann ihre Anwesenheit aber anhand von indirekten Nachweisen erkennen.

Exkursion ins Untersuchungsgebiet

Große Fußspuren im Schnee sind typisch und unverwechselbar. Losungsfunde sind während des ganzen Jahres möglich. Mit fortschreitender Jahreszeit ändert sich durch den Nahrungswechsel das Aussehen der Losung. Anstelle der walzenförmigen, festen und nadelhältigen Winterlosung werden im Frühsommer grüne fladenartige Exkremente ausgeschieden, die durch den weißen Harnsäureanteil und unverdaute Pflanzenreste unverkennbar sind.

Mauserfedern (Mai – September) und Huderpfannen geben weitere Hinweise auf Auerhuhnvorkommen. Diese Spuren werden für die systematischen Untersuchungen genutzt und ermöglichen es, die Verteilung von Auerhühnern in einem Gebiet und die jahreszeitliche Nutzung einzelner Bereiche festzustellen. Die relativen Auerhuhndichten mehrerer Gebiete können verglichen und – bei Wiederholungsaufnahmen – auch Bestandestrends abgeschätzt werden.

Losung als indirekter Nachweis – in diesem Fall eine Winterlosung

Als Grundlage für die Beurteilung der Habitatqualität dient das von Ilse Storch in den bayrischen Randalpen entwickelte Habitatmodell zur Beurteilung von Auerhuhnlebensräumen. Im Rahmen einer objektiven und wiederholbaren Rasterkartierung (100 x 100 m) werden Habitatparameter wie Hangneigung, Kronenschluss, Bestandestyp, Deckungsgrad Heidelbeere usw. sowie die indirekte Auerhuhnnachweise erfasst. Die Habitateignung wird mit Indexwerten beschrieben, die sich aus den relevanten Habitatparametern berechnen lassen und für Sommer, Winter und das gesamte Jahr getrennt ausgewertet werden.  

Ergebnisse

An 80, d. h. knapp 17 % der Beobachtungspunkte (n = 485) konnten Auerhuhnnachweise erbracht werden. An 14 Punkten bleibt der Nachweis fraglich, da es sich vermutlich um Birkhuhnnachweise handelt.

Diese Punkte werden in der weiteren Auswertung nicht berücksichtigt. Die restlichen Punkte blieben ohne Nachweis.

44 Auerhuhnnachweisen waren von Hennen und 17 von Hahnen. Auf 12 Punkten waren Nachweise von weiblichen und männlichen Vögeln vorhanden. Bei 7 Nachweisen konnte das Geschlecht nicht bestimmt werden.

Aufgelockerte altholzreiche Fichtenwälder mit Heidelbeere im Unterwuchs – wie am Gscheideggkogel - sind ideale Lebensräume für das Auerhuhn.

Die Jahresauswertung für den Lebensraumindex ergab für das Untersuchungsgebiet am Gscheideggkogel einen Anteil von 42 % gut und sehr gut geeigneten Probeflächen. Ein Drittel der Punkte wies eine schlechte oder sehr schlechte Lebensraumeignung auf.

Die Ergebnisse dienen einerseits als Grundlage für Habitat verbessernde Maßnahmen in Bereichen mit ungünstigen Strukturen. Dazu zählen Bestandesumwandlungen, Auflichtungen, Verjüngung etc.

Andererseits sollen in sensiblen Gebieten Störungen durch Wanderer oder Schitourengeher – wenn notwendig durch Änderung oder Markierung von Wegen und Routen - weitestgehend vermieden werden.

Besonders im Winter können Störungen für Auerhühner lebensbedrohlich werden

Die Zukunft aus der Hühnerperspektive

Im Nationalpark Gesäuse sind in den kommenden Jahren weiterführende Bestandserhebungen aller vorkommenden Raufußhuhnarten in Zusammenarbeit mit den Steirischen Landesforsten, der Steirischen Landesjägerschaft (H. Zeiler), der Universität Graz sowie der Universität für Bodenkultur geplant.

Der Schwerpunkt liegt vorerst bei den Auerhuhnerhebungen nach dem oben beschriebenen Habitatmodell sowie in der Erfassung von Verbreitung und Habitatnutzung der Birk- und Schneehühner. Die Ergebnisse dienen u.a. als Grundlagen für das Besucherlenkungskonzept.