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     LIFE - Quellmonitoring



Last Update: 22.05.2012


Das Programm „Karstquellen-Monitoring im Nationalpark Gesäuse" wurde im Jahr 2004 begonnen. Diese Forschungsachse ist überregional ausgelegt. Ein Quell-Monitoring lief im Nachbar-Nationalpark Oö. Kalkalpen von 1991 bis 2003 (Info), im Nationalpark Berchtesgaden seit 1998 (Bericht).
Das Quellmonitoring vereinigt im Rahmen synoptischer (zeitlich aufeinander abgestimmter) und wiederholter Messkampagnen eine Reihe von hydrogeologischen und hydrobiologischen Untersuchungen.

Sinnvoll ist ein Quellmonitoring, sobald man anhand der Quellkartierungen einen Überblick der Gebietshydrologie gewonnen hat. In der Beginnphase dient das Programm dazu, grundlegende Daten zur Hydrochemie und Hydrographie, zu organischen und Trübstoff-Frachten und zur Isotopenhydrologie zu erarbeiten.

Parallel dazu werden Aufnahmen der Quellökologie, Biodiversität und Abundanz gemacht. Faunistische Dauerbeobachtungen können z.B. mit "Emergenzfallen" durchgeführt werden.

Quellen sind Fenster in den Untergrund des Karstes
In weiterer Folge sollen auch Kenntnisse über den hydrogeologischen und ökologischen Zustand bestimmter Nationalpark-Einzugsgebiete gewonnen werden. Denn die Quellen sind der Output der „Blackbox“ Karst und außer den Höhlen die einzigen Fenster in den Untergrund. Solche weiteren Erkundungen können zum Beispiel Forschungen in Höhlen oder Wasser - Markierungsversuche für die Abgrenzung von Einzugsgebieten sein.

Ab 2007 ging das Projekt fachlich in die Breite und wurde erstmals als „Quellwoche“ unter Beteiligung internationaler Experten abgehalten. Das Hauptziel ist es dabei, die Biodiversität in ökologisch hochwertigen Quellhorizonten zu erkunden.
 


Die Wasserqualität der Quellen

Die messtechnischen Daten sind an der Trinkwasseranalyse gemäß den heimischen Normen orientiert. Diese gibt der Codex B 1 im Österreichischen Lebensmittelbuch vor. Das Labor des Nationalparkes Oö. Kalkalpen analysiert die Proben im Auftrag.

Im September 2004 und 2005 wurden jeweils dreitägige Quellmonitoring-Kampagnen an insgesamt 43 Messstellen im Gesäuse durchgeführt. Diese Kampagnen sind bereits ausgewertet.

>> Download Bericht (PDF 3.8 MB)

2006 und 2007 wurden drei weitere Messtouren durchgeführt.


Mit dem Quellmonitoring versuchen wir, eine repräsentative Auswahl an typischen Gebietsquellen zu treffen.
ERGEBNISSE

Chemisch und physikalisch liegen die Quellwässer des Gesäuses alle weit unterhalb der Trinkwasser- Grenzwerte.

Die weichen bis mittelharten Wässer sind klarerweise vom Karbonatsystem dominiert (Kalzium, Magnesium, Hydrogenkarbonat), da sie aus Kalk- und Dolomitgestein kommen. Einige Quellen aus Gesteinen der tiefen Trias sind auch merkbar mit Gips angereichert (Sulfat).

Alle anderen Ionengruppen, wie z.B. das oft problematische Nitrat, kommen nur als geringe Nebenmengen vor.

Pestizide, Kohlenwasserstoffe, Mineralöle sind im unerschlossenen Hochgebirge generell nicht zu erwarten und werden im Rahmen des Monitorings nicht gemessen, obwohl diese Schadstoffe durch Luftverfrachtung und unterhalb von Flugkorridoren präsent sein können.



Übersichtsdiagramme erlauben einen schnellen Überblick  über etwaige Problemzonen im Gebiet.


Problemzonen sind bei Karstwässern die gelblichen Verfärbungen, die Trübungen und die Verkeimung. Weil die Klüfte im Karst weit offen sind und das Wasser sehr schnell durchläuft, kommen Bakterien rasch durch den Berg - auch solche, deren Lebensdauer außerhalb von Organismen relativ kurz ist. Die meisten Mikroben stammen vom Wild oder vom Almvieh, was für die menschliche Gesundheit kaum von Belang ist. Dennoch raten die nachgewiesenen Fäkalkeime als „fakultative Krankheitszeiger“ beim Genuss der Wässer zur Vorsicht.

Bei den im Gesäuse ausgewiesenen Werten für Trübung und Färbung der Quellen handelt es sich um eine Art „Grundrauschen“, das bei allen Quelltypen ziemlich konstant ist. Etwas höhere Werte kommen ausnahmslos aus Quellen mit sehr feinem Bettsediment, das möglicherweise bei der Probenahme etwas aufgewirbelt wurde. Die Spitzenwerte lieferten der Sulzkarsee, kleine Almquellen sowie Quellen, die von Lawinen und Murenabgängen betroffen worden waren.

 

Altbekanntes Karstproblem: Die Wasserverkeimung

Nach der mikrobiellen Analyse müssen im NP Gesäuse 80% der gemessenen Quellen als „belastet“ gelten. Nur 20% aller Messungen weisen Keimfreiheit im hygienischen Sinn auf. Interessant ist z.B. die Verteilung der "Koloniebildenden Einheiten" (KBE oder CFU) sowie das Vorkommen der Darmbakterien "Coliforme" und Escherichia Coli.

Allerdings sind die Werte im Gesäuse bislang besser als in den beiden Vergleichs-Nationalparks Berchtesgaden und oö. Kalkalpen. Anhand der wenigen Messtermine kann man noch kaum letztgültige Aussagen treffen.

Geradezu abnorm keimfrei sind einige der tiefen, aus der Gesäusestörung entspringenden Quellhorizonte wie jene im Rohrloch und Weißenbachl (beide oberhalb Gstatterboden). Das deutet auf jahrelange Durchlaufzeiten in einem hermetisch abgedichteten Kluftwasserkörper hin. Sehr rein können auch Dolomitquellen sein (Zigeunerbrunnen, Siebenbrünn).

Für die Wertigkeit der Quellen als Lebensraum und Biotop sind die bakteriellen Nachweise übrigens völlig belanglos.

Bericht:

HASEKE, H.: Quelldokumentation und Quellmonitoring 2004-2005. - 63 S., 7 Tab., 28 Diagramme, 32 Fotos. - Unveröff. Bericht i.A. der Nationalpark Gesäuse GmbH, Weng i. Gesäuse, November 2005.

Download (PDF / 3.8 MB)

Kontaktadresse: Harald Haseke

 

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Die "Superquellen" im Rohr- lochgraben ober Gstatterboden: Spitzenbiotope und keimfrei!