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   LIFE Action A2 / C2:


Revitalisierung "Johnsbach"  2006-2010 (Partnerprojekt)      

    
INFORMATIONSHEFT  JOHNSBACH (Folder; PDF 3.5 MB)

WEBCAM Hellichter Stein - Online-Beobachtung im Halbstundentakt

MANAGEMENTPLAN JOHNSBACH - Die Grundlage (PDF 5.0 MB)

 

Last Update: 31.01.2011 (abgeschlossen)

Der Johnsbach entspringt teils aus Quellen und Vernässungen in den paläozoischen "Grauwackenschiefern" der Eisenerzer Alpen, teils kommt er aus Karstquellen in den Triaskarbonaten der Hochtorgruppe. 

Ab Silberreith (Gasthaus Donner) durchschneidet das enge, schluchtartige Trogtal die Kalke und Dolomite des Gesäuses. Nach einer Gesamtlänge von 13.5 km mündet der Johnsbach bei Flusskilometer 130 rechtsufrig in die Enns.
Die Durchbruchsstrecke liegt gänzlich im NATURA 2000 Gebiet und im Nationalpark (Bewahrungszone).

Der Wildbach hat früher bei Hochwässern den gesamten Talboden der Zwischenmäuerstrecke von Silberreith bis Bachbrücke verwüstet. Dadurch ist die einzige Zufahrtstraße in die Ortschaft Johnsbach immer wieder unpassierbar geworden.

In den Jahren 1951 bis 1974 ist der Johnsbach mit Durchstichen, Begradigungen, Sohlschwellen, Abstürzen und Drahtbuhnen hart verbaut worden. Aufgrund der Ufersicherung wurden auch Aufforstungen mit Fichtenkulturen in ebenen Schwemmlagen und Aufschüttungen möglich.

Pionierstandorte, Grauerlen - Gehölze und Bergmischwälder prägen den wilden Johnsbach
Mit dem fortschreitenden Verfall von Verbauungen wurden bescheidene Teilstrecken wieder durch Pionier-Schotterfluren und Fragmente von Begleitauen (wie Grauerlen- und Lavendelweiden- Pionierbestände) zurückerobert.

Auf 5.2 km Länge wuchsen hier immerhin noch 16 Hektar Schotter- Pionierstadien und ebenso viele Grauerlen-Augesellschaften.

Auf mindestens 15 Hektar stockten aber Fichtenforste an potentiellen Auenstandorten und 35 Hektar werden von naturnahen Fels- und Schluchtwaldgesellschaften eingenommen.
Die seit 1998 anstehende Sanierung der Schutzverbauungen bot eine große Chance für die bessere Balance zwischen Natur und Kultur.

Anlässlich der Nationalpark-Diskussion waren im Jahr 1999 Empfehlungen zur Revitalisierung des Johnsbaches ausgearbeitet worden. Dieses Konzept wurde in Kooperation von Nationalpark, Fachleuten und Wildbach- Lawinenverbauung 2005/2006 naturschutzfachlich optimiert. Die Maßnahmen haben im September 2006 begonnen und wurden Mitte 2009 abgeschlossen. 2010 wurden noch einige Pasagen optimiert.
Einzigartige Bestände der FFH - Pflanzenart Frauenschuh sind im Fichtenforst gefährdet.

Bachlauf-Hektometer (hm) 0.0 – 2.0, Ennsmündung: Der schwere und geradlinige Verbau über den Mündungskegel hinweg, mit Uferversteinung und Absturz, war für Jungfische und kleinere Fischarten wie die Koppe aufwärts kaum überwindbar. Eine äußerst heikle Passage für die Gesamtökologie des Johnsbaches! Deshalb wurden diese Barrieren geschleift und nur mehr flache Grundschwellen als Sicherung der Bundesstraßenbrücke "Johnsbachsteg" eingebaut. Einpilotierte Bäume, die der Abbruchkante entnommen wurden, und eine kurze Buhne leiten das Wildwasser massiv nach rechts aus.  Der zunehmend größer werdende Schwemmkegel kann sich nun frei in die Enns entwickeln.

Bachlauf-hm 2.8 – 5.0, Humlechnergraben bis Webcam: Von der Bachbrücke aufwärts begann im Juni 2007 die Entfernung oder Kürzung von alten Drahtbuhnen, Ausgestaltung der Uferstruktur, Zulassen von Uferauskolkungen und Kehr- bis Stillwasserzonen am straßenabgewandten Bachufer. Im Humlechnergraben wurde die Räumung der alten Sprengschutthalde veranlasst.

Diskussionen um Ist und Soll prägten die Planungsphase des Johnsbachprojektes. Hier gibt es eine vergrößerte Karte.

Bachlauf-hm 5.0 – 17.0, Humlechner bis Gseng: In dieser Aufweitungsstrecke hatte sich die Natur schon einen  kleinen Teil zurückgeholt und der Rückbau erreicht hier die größte Breite. 
Die bis zu über 50 Meter in die Breite gezogene Aufstaffelung der alten Abstürze entwickelt sich mit dynamischen Schotterbänken und Aufzweigungen. Einpilotierte Großbäume helfen seit 2009, das Geschiebe zu binden, damit es letztlich die Räume zwischen den Schwellen völlig auffüllt.

Der natürliche Schottertrieb ist erst seit der Beendigung der Schuttentnahmen in Gseng und Langgries (2009) einigermaßen gesichert. Die endgültige Räumung der Kiesgrube Gseng erfolgte erst Ende 2010; unter anderem wurden einige tausend Tonnen an Asphaltrückständen entfernt!

Der landschaftlich attraktive Abschnitt abwärts des Hellichten Steins dient seit 2008 als Naturbadegelände nahe dem Weidendom. Der begleitende "Sagenweg" wurde 2010 als Themenweg "Der wilde John" ausgestaltet. Hier finden sich auch LIFE-Informationen vor Ort.


In der Aufweitungsstrecke steht seit November 2006 auch eine Webcam. Im Halbstundentakt lässt sich so die Entwicklung beobachten.

Beim Klick auf das nebenstehende Bild erhalten Sie eine kleine Animation, welche die Entwicklung der letzten Jahre zeigt.

 

Bachlauf-hm 20.0 – 37.0, Kainzenalblgraben bis Breitschütt: Einerseits sehr schöne Naturstrecken mit Seitengräben wie Langgries und mit großer Breitenentwicklung, andererseits unterbrachen einige schwer einsehbare hohe Betonabstürze das Bachkontinuum. Diese wurden 2009 aufgelöst und einige überflüssig gewordene Längs- und Querverbauungen entfernt. Ansonsten schützen nur wenige Abweisbuhnen am Ufer die Straße; diese sind im Gelände praktisch nicht erkennbar.

Bachlauf-hm 37.0 – 46.0, Breitschütt bis Silberreith: Hier sind nur wenige Maßnahmen notwendig. An der Haglmauerbrücke unter der Silberreith wurde eine Blockrampe unter den dortigen Granitabsturz gelegt und dieser dadurch beseitigt. Die Betonstufe des alten Messwehres beim Silberreith-Tunnel ist durch fest eingekeilte Blöcke fischgängig gemacht.

Die alten Ufersicherungen mit Drahtbuhnen werden nur mehr sporadisch ergänzt und zum Teil entfernt. Statt dessen binden nun Sohlsicherungen mit substratgefüllten Rohrdurchlässen für die Benthos-Migration das Gerinne.
In Kombination mit den in den Schotterkörper eingesenkten Betonwerken wurde sehr grobes, strukturiertes Kalksteinmaterial eingesetzt. Dazwischen darf der Bach frei arbeiten, sodass Kurven, Kolke, Totholzinseln, Schotterbänke und kleine Verwilderungszonen entstehen.

Verschiedene Begleitmaßnahmen für ein intaktes Tal

Künftig sind keinerlei Sicherungen mehr für den Schutz von Aufforstungsflächen vorgesehen. Mitten im Naturwaldgebiet ist es nicht sinnvoll, einen erheblichen Aufwand zur Erhaltung wenig ertragreicher Forstkulturen zu treiben. Erwünscht sind künftig dynamische Auwälder und deren Pionierstadien. Die ohnehin recht kümmerlichen Reinfichtenbestände wurden daher 2005-2007 im Rahmen der Waldumwandlung aufgelichtet (Actions C.1 und C.4) und in problematischen Uferbereichen im Wege der Rodung sogar ganz beseitigt. Ab 2008 wurde auch in den Unterhängen der Bergflanken kräftig aufgelichtet.

Ein Problem spezieller Art waren die Schutt- Baggerungen in den Mündungen der geschiebereichen Seitentäler von Langgries und Gseng. Sie sind seit Anfang 2009 Geschichte und sollen auch für die Straßensicherung eine Zeitlang gänzlich unterbleiben. Denn die Geschiebefracht wird für die Auffüllung der Erweiterungsstrecken benötigt. Parallel zum LIFE Projekt wird hier nach praktikablen Lösungen gesucht. Ein Geschiebe-Managementplan wurde ausgearbeitet, aber noch nicht beschlossen.

Schließlich wurde der Wanderweg von der Bachbrücke zur Silberreith, der "Sagenweg", ab 2009 an neuralgischen Punkten aus dem Gefahrenbereich verlegt und gleichzeitig zu einem Themenweg über das Projekt Johnsbach adaptiert.

Bei jedem Unwetter strömen Schuttmassen durch das Langgries herab.
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