In jedem LIFE-Natur Projekt nimmt das Monitoring einen festen Platz ein. Haben die Maßnahmen der Verbesserung der Lebensräume oder der Förderung einer bestimmten Tierart auch wirklich gedient? Im schlimmsten Fall sollen wenigstens die Gründe für das Scheitern – „Durch Schaden wird man klug“ - bekannt gegeben werden. Ohne Beweissicherung und Monitoring wäre ein Projekt nicht genehmigungsfähig.
Das Monitoring im LIFE Projekt „Gesäuse“ umfasst die folgenden Module:
Die naturnahen Umgestaltungen von Ufer- und Auenbereichen an der Enns und am Johnsbach sind Lebensraum- und „Zielarten“ - Programme. So bezeichnet man die Förderung bestimmter, vom Aussterben bedrohter Tiere und Pflanzen. Priorität haben an den Flüssen naturgemäß die Tiere im Wasser und die Lebensräume, die Vegetation und die Tiere an den Ufern und Kiesbänken bis in die Auen.
Bei uns im Gesäuse sind es nicht nur die spektakulären, großen Arten wie Äsche und Huchen, die am Verschwinden sind. Wer kennt unter den 16 Fischarten in der Enns schon den Strömer (Leuciscus souffia), eine kleine Weißfischart, die bei den Jüngern Petri bestenfalls als „Futterfisch“ wahrgenommen wird? Früher war der Strömer massenhaft vorhanden, heute findet man noch isolierte Bestände in Restwasserbuchten zwischen den Ennskraftwerken. Das Fischlein braucht kiesig-lehmige Buchten mit Überwinterungstümpeln. Viel davon ist an der heutigen Enns nicht mehr vorhanden.
Ähnliche Lebensräume beansprucht das aalförmige Bachneunauge (Eudontomyzon mariae), das einen Teil seines Lebens als im Schlamm steckende Larve („Querder“) verbringt. Mit den früher häufigen Querdern hat man die Huchen geködert.
Strömer und Bachneunauge - beides keine "sexy species", sie fehlen heute aber genauso im Ökosystem wie der mächtige Huchen oder bald auch die schmackhafte Äsche...
Fisch - Monitoring
Wie kann man Fische überhaupt „monitoren“? Da das Abfischen mit Netzen in Gebirgsflüssen kaum möglich ist, hat man die Methode der Elektrobefischung entwickelt.
Je nach Größe des Gewässers arbeitet eine Expertentruppe zu Fuß oder mit Spezialbooten. Mit Aggregat und Metallsonden wird im Wasser ein Gleichstromfeld aufgebaut. Die Fische werden von der Anode, dem „Fangpol“ angezogen und betäubt. Dann werden sie gekeschert, bestimmt, vermessen und wieder ins Wasser zurückgesetzt. Angenehm ist das vermutlich nicht, aber es gibt uns einen guten Überblick des Bestandes. Kaum erfasst werden allerdings Kleinfische wie die Koppe, die ja mangels einer Schwimmblase nicht richtig schwimmen kann.
Die Enns wurde im September 2006, im Juli 2007 und im September 2009 befischt. Weitere Informationen finden sich auf der Nationalpark - Forschungsseite "Wirbeltiere" (Codes WT16 und WT24).
Liebt man Kälte und Nässe, dann ist man für Befischungen im Gebirge bestens geeignet.
Den aktuellen Monitoringbericht aus der Enns (Stand Ende 2009) sowie eine Masterarbeit über Enns und Johnsbach können Sie auch direkt mit den untenstehenden Links aufrufen:
Berichte: Kammerhofer A., Jungwirth M., Unfer G. und Wiesner C. (2010): Naturschutzstrategien für Wald und Wildfluss im Gesäuse – Postmonitoring Fischökologie. - Unveröff. Studie im Auftrag des Amts der Steiermärkischen Landesregierung, Fachabteilung 19B Schutzwasserwirtschaft und Bodenwasserhaushalt, Graz/Wien Jänner 2010 Download (PDF 1.1 MB)
Kammerhofer, Agnes (2010): Vergleichende Fischbestandserhebungen am Johnsbach und der Enns im Rahmen des EU LIFE-Projektes „Naturschutzstrategien für Wald und Wildfluss im Gesäuse“. - Masterarbeit am Inst. für Hydrobiologie und Gewässermanagement, Department für Wasser, Atmosphäre und Umwelt, Universität für Bodenkultur Wien 2010: 127pp. Download (PDF 5.5 MB)
Fischbestand im Johnsbach
Vom 16.-18.11.2005 fand die erste fischökologische LIFE - Bestandsaufnahme des Johnsbaches statt. Das Team der Boku Wien befischte unter Einsatz von Elektroaggregaten einige Teilstrecken des Johnsbaches bis hinauf in den oberen Talboden. Derzeit hat die Projektstrecke für die betroffenen Hauptfischarten Bachforelle, Koppe und Äsche kein hohes Habitat- und Laichraum- potential. Auch gibt es einige gravierende Migrationsbarrieren. Die Passierbarkeit ist aber von größter Bedeutung, da an der Enns Refugialräume rar sind und derzeit keine Fische in den günstig strukturierten Johnsbach Oberlauf wandern können.
Insgesamt wurden in allen neun Probestrecken 310 Fische aus 4 Arten nachgewiesen. Vertreten waren Bachforelle (301 Stück, 97 %), Äsche (4 Stück, 1 %), Koppe (3 Stück, 1 %) und Regenbogenforelle (2 Stück, 0.6%). Letztere zählt nicht zu den heimischen Fischarten. Koppe und Äsche wurden nur in Probestrecke 1 (Mündung) unmittelbar unterhalb der untersten Sohlschwelle gefangen. Jeweils eine Regenbogenforelle wurde in Strecke 1 und 2 gefangen.
Die niedrigen Biomassewerte führen gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie zu einer „ungenügenden Zustandsbewertung“ einiger Probestrecken. In vier der acht bewerteten Probestrecken wird der „Gute Zustand“ gemäß EU-WRRL erreicht, in vier weiteren verfehlt. In Probestrecke 1 (Mündung) wird zwar der „Gute Zustand“ erreicht, jedoch wurden ein Großteil der Bachforellen sowie sämtliche Äschen und Koppen unterhalb der unpassierbaren Sohlschwellen gefangen. Im Fall der Probestrecken 2 (Gseng-Kainzenalblgraben-Naturstrecke) und 3 (Silberreith) liegt gleichfalls der „Gute Zustand“ vor. Dagegen fällt die Bewertung der Probestrecken 4 und 5 knapp oberhalb von Silberreith mit 4,0 schlecht aus. Die Gründe dafür liegen in den bestehenden Verbauungen und Barrieren unter- und oberhalb. Darüber hinaus fehlte es im gesamten Bachverlauf bislang an geeigneten Einständen für Jungfische (z. B. Buchten als Wintereinstand und Hochwasserrefugium).
Der Johnsbach wurde im Frühjahr und Sommer 2006 von der Mündung in die Enns bis zum Talschluss (Gscheidegger) untersucht. Demnach wird der Johnsbach auf der gesamten Länge vom Fischotter genutzt. Es handelt sich dabei nicht um ein gelegentliches Auftauchen von wandernden Tieren, sondern um ein etabliertes Vorkommen, das sich auf Enns und Johnsbach erstreckt.
Die Untersuchungen legen nahe, dass der Bereich von der Mündung in die Enns bis Johnsbach - Silberreith (Tunnel) für den Fischotter nur suboptimal, von dort aufwärts aber bis zum Talschluss gut geeignet ist. Dieses Gebiet wird offensichtlich auch zur Jungenaufzucht genutzt. Zu Konflikten mit Menschen kann es unter Umständen an Fischteichen kommen; weiters ist eine Brücke im Ort Johnsbach problematisch. Unfälle mit Autos und Funde von toten Fischottern hat es im Gesäuse schon mehrmals gegeben!
Der Fischotter: Im Gesäuse wieder heimisch?
Die Lebensbedingungen für den Fischotter können über das Nahrungsangebot verbessert werden. Der Beseitigung von Migrationsbarrieren für Fische kommt dabei besondere Bedeutung zu. Die Wiederansiedlung von Koppe und Edelkrebs sowie die Erhaltung und Förderung von Amphibienvorkommen wäre nicht nur aus diesem Grund sehr wünschenswert.
Bericht: Kranz, A. (2006): Fischotterkartierung am Johnsbach, Zwischenbericht im Auftrag der Nationalpark Gesäuse GmbH. 14pp.
Vegetations-Monitoring und Lebensräume im Johnsbach
Die ökologische Verbesserung des Johnbaches durch die Aufweitung der strengen Verbauung und den Waldumbau soll hauptsächlich über das Monitoring der Vegetations- veränderungen ermittelt werden. Referenzflächen wurden im Furkationsbereich unterhalb des Langgriesgrabens mit Pestwurz- Pionierbeständen (8120 ), in Weidenauen (3240), in Übergangsbereichen zu *91E0 Alluvialwälder sowie in Fichtenreinbeständen angelegt, um die gesamte Sukzessionsreihe abzudecken.
Die 2006 durchgeführte Folgeaufnahme zu einer aus 1998 vorliegenden Vegetationsstudie ermöglicht eine genaue Beobachtung der Veränderungen.
Die Biotopkartierung im Jahr 2005 ergab einen Flächen- anteil von 21 Hektar bzw. 30% der Kartierungsfläche für insgesamt 10 FFH-Lebensraumtypen. Auf dieser Basis wurden insgesamt 9 Vegetationstransekte in Bach- abschnitten verschiedener Hemerobiestufen sowie 9 Referenzpunkte ausgewählt und 2010 wieder aufgenommen.
Die Einstufung in Bachabschnitte nach „Natürlichkeits- graden“ war bereits in der Ökologischen Fachplanung von 1998 vorgenommen worden. Die Wälder wurden zusätzlich über die Auswertung der Waldinventurdaten (2006/2007) und über die Standortserhebung im Nationalpark (2005/2006) beurteilt. Weitere Infos und Downloads auf der Nationalpark - Forschungsseite "Flora-Lebensräume" (Code L-01)
Einen besonderen Stellenwert im Biotop hat der Frauenschuh (Cypripedium calceolus), der im Johnsbachtal noch erfreulich häufig vorkommt. Er ist zwar nicht die einzige Orchidee im Gesäuse, aber sicherlich die eindrucksvollste, und als einzige Pflanzenart im Nationalpark europaweit geschützt. In Würdigung dieser Tatsache wurde eine eigene Erhebung in Auftrag gegeben.
Bericht: Prenner G. (2006). Cypripedium calceolus (Orchidaceae) im Johnsbachtal (Nationalpark Gesäuse, NATURA 2000 Gebiet Ennstaler Alpen - Gesäuse): Kartierung und Managementvorschläge.- Unveröff. Bericht i.A. der Nationalpark Gesäuse GmbH, Graz 2006.
Noch zahlreich in den Biotopen des Johnsbaches: Die große Orchidee Frauenschuh.
F3 Monitoring Spechte
Eines der Hauptziele des Waldmanagements ist die Schaffung naturnaher Strukturen mit hohen Alt- und Totholzanteilen. Spechte stellen im Wald durch ihre Bindung an Totholz und als Höhlenbauer eine wichtige Indikatorgruppe dar.
Mittels wiederholbarer Kartierungen wurden die Verbreitungs- situation der erhobenen Arten sowie Änderungen in den Beständen aufgezeigt. Der Erfassungsabstand ist 2-3 Jahre, da die Entwicklung der Waldbestände nur langsam vor sich geht. Specht-Kartierungen wurden seit 2004 und 2005 auf 10 Untersuchungsflächen durchgeführt. Die gegenwärtigen Kartierungen zeigen eine gute Konsolidierung der Bestände. Durch die Sturm- und Schneebruchereignisse mit "Käfernestern" im Gefolge stieg der Totholzanteil stark an und optimierte damit die Spechthabitate. Erfreulich ist die Zunahme der Sichtungen vom Weißrückenspecht.
Der Weißrückenspecht - FFH-Art und Zeiger für naturnahe Wälder
F 5 Monitoring Auerhuhn
Für dieses stark im Rückgang befindliche Großwildhuhn werden intensive Erhebungs- und Managementmaßnahmen durchgeführt. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang die Besucherlenkung.