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Lebensraum Gewässer

Das Wasser bestimmt das Erscheinungsbild des Gesäuses. So war es vor Tausenden von Jahren das Eis der Gletscher, das Teile der heutigen Formenwelt der Landschaft im Wesentlichen gebildet hat. Beim Rückzug der Gletscher wurde das Kerbtal der Enns im Gesäuse ausgeschürft, aber auch zahlreiche Kare im Gebirge und auf den Almen wurden von Gletschern geformt. Vor dem Gesäuseeingang blieb nach dem Schmelzen des Eises ein riesiger See zurück, der im Laufe der Zeit verlandete. Heute zeugen nur noch Reste dieser Feuchtlebensräume, wie das Pürgschachen-Moor (RAMSAR Schutzgebiet), von der damaligen unwirtlichen und daher auch unbesiedelten Urlandschaft.

Diese Urlandschaft hat sich in den Jahrhunderten nach der Gründung des Stiftes Admont (um 1074 n. Chr.) immer mehr in eine Kulturlandschaft gewandelt. Dabei waren vor allem die letzten zwei Jahrhunderte von großer Bedeutung. In dieser Zeit kam es zu den großen Ennsregulierungen, die eine Trockenlegung und Kultivierung weiter Bereiche des Admonter Beckens erst ermöglichten. Der letzte verbliebene unverbaute Abschnitt der Enns befindet sich heute im Gesäuse.

Die Enns im Gesäuse. Es wechseln ruhige Flußabschnitte mit turbulenten Fließstrecken.
Die Enns im Gesäuse. Es wechseln ruhige Flußabschnitte mit turbulenten Fließstrecken. Dazwischen drängen sich immer wieder Geschiebeflächen aus den Seitentälern hervor und zwingen den Fluss zu einer Richtungsänderung.

Die Enns

Die Enns bildet das sensible Rückgrat des Nationalparks Gesäuse. Sie entspringt im Bundesland Salzburg (Radstätter Tauern am Fuß des Kraxenkogels, 1735m) und entwässert auf einer Länge von 254,15 km ein Einzugsgebiet von 6080 km². Zwischen Quelle und Mündung in die Donau überwindet die Enns einen Höhenunterschied von 1497m. Die Enns ist somit der längste Fluss in Österreich, der sowohl hier entspringt, als auch auf österreichischem Staatsgebiet sein Ende findet.

 


In der Bildmitte die "Ennspyramide".
Spektakulär ist der Übergang der gemächlich fließenden Enns im Talboden bei Admont in die wilde Kataraktstrecke beim Gesäuseeingang. In der Bildmitte die "Ennspyramide".

Im Bereich des Admonter Beckens verlässt die Enns die Grenze zwischen Grauwackenzone und Kalkalpen und wird im Gesäuseeingang durch eiszeitliche Moränen zum Durchbruch durch die Nördlichen Kalkalpen gezwungen. Dabei ändert sich der Charakter der Flusslandschaft plötzlich vom weiten Talboden im Admonter Becken, über den klammartigen Gesäuseeingang, zum engen, von den hoch aufragenden Felswänden der Hochtorgruppe und des Buchsteins umschlossenen Kerbtal. Die Höhendifferenz zwischen Enns und Hochtorgipfel beträgt dabei nahezu 1800 Meter.

Die Enns im Bereich der Lettmairau bei Hochwasser im Frühsommer.
Die Enns im Bereich der Lettmairau bei Hochwasser im Frühsommer. Der Fluss entwickelt eine gewaltige Kraft. Dabei kann es am Prallhang auch zu Uferanrissen kommen.

Zwischen Gesäuseeingang und dem Wehr in Gstatterboden (Anteil des Nationalparks) zeichnet sich die Enns durch einen hohen Grad an Natürlichkeit, eine abwechslungsreiche Struktur im Gewässerbett und eine besonders starke Dynamik aus.

Dies zeigt sich an der guten Struktur des Gewässers, mit Prallhang, Gleituferbereichen, an denen sich auch Schotterbänke bilden, und natürlichen Inselbildungen. Es wechseln schluchtartige Bereiche mit tosendem Wasser und weitere, ruhigere Stellen, an denen das Wasser sanft dahin fließt, einander ab.

Die Enns im Gesäuse von der Haindlmauer aus gesehen.
Die Enns im Gesäuse von der Haindlmauer aus gesehen. Im Hintergrund der Tamischbachturm.

Der Johnsbach

Der Johnsbach ist der bedeutendste Zubringer der Enns im Nationalpark. Er entspringt auf einer Seehöhe von rund 1500 m in den Ennstaler Alpen (Grauwackenzone, oberhalb der Grösseringeralm). Er fließt Richtung Westen durch den Ort Johnsbach und ändert danach seine Fließrichtung abrupt um 90° nach Norden. Dabei durchbricht er auf 8 km in einem Kerbtal die Triaskalke und Dolomite der Gesäuseberge. Diese Strecke wird auch "Zwischenmäuer" genannt. Die bizarren Formen, die das Niederschlagswasser im Laufe der Jahre in den Felsen der Umgebung hinterlassen hat, bilden die charakteristische "Dolomiterosionslandschaft". Felstürme, Felsfenster, weitläufige Schuttgräben und tiefe Rinnen formen das Bild einer fremden, jedoch faszinierenden Welt aus Stein.

Der Johnsbach im Herbst.
Der Johnsbach im Herbst.
Das Tal war vor der Regulierung in den 50iger und 60iger Jahren des vorigen Jahrhunderts immer wieder unpassierbar, da das Geröll- und Schuttmaterial aus den Seitengräben weite Bereiche des Talbodens verschüttet hat. Heute ist dies nur noch sehr selten der Fall und der Johnsbach zeigt nur noch auf kurzen "Verwilderungsstrecken" seine ursprüngliche, weit ausufernde Dynamik.  

Der Hartelsgraben

Ein zweiter, größerer Zubringer ist der Hartelsgraben, der vor allem im Frühjahr bei der Schneeschmelze von besonderem Reiz ist. Aufgrund der Steilheit finden sich immer wieder kleine Wasserfälle und moosbewachsene Kaskaden. Die Bedeutung des Hartelsbaches als Zubringer zur Enns ist in diesem Abschnitt besonders hoch, da sich die Strecke unterhalb des Wehres Gstatterboden befindet und deshalb nur wenig Wasser führt. Der Großteil des Ennswassers wird über die Ausleitungsstrecke zum Kraftwerk in Hieflau umgeleitet und der Hartelsbach liefert oft bedeutende Wassermengen für die Restwasserstrecke der Enns.

Die Quellregion befindet sich auf der Sulzkaralm, die eine der wasserreichsten Almen des Gesäuses ist. Zahlreiche Quellen und auch der einzige See des Nationalparks befinden sich auf der Alm, deren Name auch auf den Wasserüberfluss anspielt (Sulze = Stelle, an der Wasser entspringt oder aussickert).

Der Sulzkarbach stürzt über einen wunderschönen Wasserfall in den tiefen Einschnitt des Hartelsgrabens. Weitere Quellen in den Hangbereichen des Goldeggs, die möglicherweise aus dem weit verzweigten System der Goldegghöhle hervortreten, speisen den Hartelsgraben.

Der Hartelsgraben bietet vor allem während der Frühjahrshochwässer ein besonderes Schauspiel.
Der Hartelsgraben bietet vor allem während der Frühjahrshochwässer ein besonderes Schauspiel.

Quellen im Nationalpark

Ein Charakteristikum von Karstgebieten wie dem Gesäuse ist ihr großer Reichtum an Quellen. Im Nationalpark ist eine genaue Erfassung der Quellen noch nicht durchgeführt worden. Man kann jedoch von einer Zahl zwischen 300 bis 500 Quellen ausgehen. Diese zeichnen sich durch ihre besonders sensiblen und auch vielfältigen Lebensgemeinschaften aus.


Quellfluren mit Moosbewuchs
Quellfluren mit Moosbewuchs bieten vor allem im Herbst eine besondere Farbenpracht.

Der Sulzkarsee

Der Sulzkarsee ist der einzige See im Nationalpark. An stehenden Gewässern gibt es ansonsten nur zeitweise wasserführende Tümpel vor allem auf den Almen, da diese bevorzugt in Gebieten mit ausreichendem Wasservorkommen angelegt wurden. Der Sulzkarsee zeichnet sich durch seine starken Wasserschwankungen aus. Woher der See sein Wasser bezieht, ist noch nicht geklärt. Möglicherweise wird er über unterirdische Quellen gespeist. Sein Abfluss erfolgt durch einen nicht vollständig abdichtenden Moränenwall.

Es ist nun für den Nationalpark eine der vordringlichsten Aufgaben Maßnahmenvorschläge auszuarbeiten und mittel- bis langfristige Handlungsstrategien zur Minimierung bestehender ökologischer Defizite aufzuzeigen. Beispielsweise soll für den Lebensraumes an der Enns nicht nur eine Verschlechterung verhindert, sondern eine Verbesserung erreicht werden.


Spezialthema: Besondere Lebensräume an den Gewässern im Nationalpark Gesäuse


Der Sulzkarsee
Der Sulzkarsee liegt wie eine Perle eingebettet in die Moränen der letzten Eiszeit im Kar der Sulkaralm.