Zwischen Admont und Liezen liegt eines der schönsten Hochmoore im Land - das Pürgschachen Moor. Auf einem neu angelegten Weg lässt sich die Gegend zwischen Moor und Enns erkunden: Jetzt können Sie von oben einen Blick werfen auf das bunte Pflanzen-Mosaik im Moor. Und sie können auf einem Steg hinaus wandern über die Enns.
Grün - das ist heut die bestimmende Farbe im Ennstal. Grüne Wiesen, grüne Weiden, Laubwald am Wasser. Eigenartig bunt muss es in diesem Tal ausgesehen haben, noch bis ins Mittelalter: Riesige Hochmoore bedeckten den Talgrund. Weite Flächen voll mit roten, gelben, braunen Moosen, mit Heidekräutern und Wollgras. Eine Landschaft, wie wir sie heute nur mehr in Norddeutschland finden oder in Schweden. Und im Pürgschachen Moor.
Hier herunten an der Enns ist schön zu sehen, dass der Begriff Hochmoor nichts mit der Lage des Moores zu tun hat: Hochmoore gibts droben auf den Bergen und herunten im Tal.
Hoch-Moor und trotzdem ganz unten:
Allen diesen Mooren ist eines gemeinsam - sie wölben sich "hoch" auf über ihre Umgebung. Die Pflanzen im Moor haben keinen Kontakt mehr mit dem nährstoffreichen Grundwasser. Das Wasser im Hochmoor kommt nur mehr von Regen und Schnee.
Viel ist da nicht an Nährstoffen drin. Drum sind Hochmoore ein Lebensraum für bloß wenige Pflanzen. Die wichtigsten sind die Torfmoose. Die sorgen mit ihrem Wachstum auch dafür, dass sich überhaupt ein Hochmoor bilden kann. Torfmoose machen aus dem Moor einen riesigen Schwamm:
Vieles gibt es noch zu entdecken in den sieben Meter mächtigen Torfschichten des Pürgschachen Moores. In diesen sieben Metern steckt all das an Informationen drin, was sich im Ennstal in den letzten zehn-, fünfzehntausend Jahren getan hat: Wann nach der Eiszeit welche Bäume eingewandert sind, wann hier Menschen begonnen haben den Wald aufzulichten oder zu roden. Ob sie Ackerbau betrieben haben oder Vieh gezüchtet. Durch Pollenanalysen und die Untersuchung der Pflanzenreste im Torf lässt sich das heraus finden. Drum ists auch wichtig, dass im Pürgschachen Moor kaum Torf gestochen wurde: Überall sonst im Ennstal wurden Hochmoore entwässert, der Torf abgebaut, als Heizmaterial für die Industrie verwendet, zum Beispiel für das Eisenwalzwerk in Trieben.
Grundlage für die Entwässerung des Talbodens und den Abbau der Torfmoore war die Ennsregulierung: Im 19. Jahrhundert wurde der Flusslauf von 60 auf 45 Kilometer verkürzt. Siebenundsechzig Schlingen der Enns wurden dafür durchstochen. Dadurch erhöhte sich die Fließgeschwindigkeit und das Flussbett tiefte sich bis zu drei Meter ein. Während des Ersten Weltkrieges begannen an der Enns großflächige Entwässerungsarbeiten: Drainagen wurden gegraben und Gräben gelegt. Das Pürgschachen Moor ist dadurch zwar kleiner geworden, im Kern aber erhalten geblieben.
Rund ums Moor
Mehr übers Pürgschachen Moor erfahren sie direkt vor Ort - auf einem Naturerlebnisweg. Der beginnt bei Ardning an der Gesäusestraße und führt am Rand des Moores entlang: Nur dort, wo früher schon durch Entwässerungen in das Moor eingegriffen wurde. Und auch dort wurde der Weg äußerst schonend angelegt - mit Holzschnitzeln geschüttet.
Damit sich die Weite des Hochmoores auch vom Rand her erleben lässt, gibts Aussichtskanzeln. Neu angelegt wurde ein Libellenteich mit einem Rastplatz. Und ein kühner Steg hinaus über die Enns.
Das Moor in Kürze
Fläche ca. 50 Hektar. Größte Ausdehnung in West-Ost-Richtung - ein Kilometer.
Hochmoor: Das Moor wölbt sich wie ein Uhrglas über seine Umgebung auf - Höhenunterschied zwischen Moorrand und Zentrum ca. 5 Meter
Größte Torfmächtigkeit ca. 7 Meter Der Großteil dieser Torfschichten besteht aus Resten von Torfmoosen, Wollgras und Seggen: Noch in über fünf Meter Tiefe sind Reste von Torfmoosen zu finden. Das Pürgschachen Moor dürfte also schon mehrere tausend Jahre ohne Baumbewuchs sein.
Der Moorschutzverein Pürgschachen bemüht sich seit zehn Jahren um die Renaturierung des Moores: Randwälder und Niedermoorwiesen wurden erworben und werden naturnah bewirtschaftet, Fichtenmonokulturen gerodet, der Wasserspiegel des Moores durch Stauen und Zuschütten der Drainagegräben stabilisiert. Das Moor ist ausgewiesen als Natura 2000-Schutzgebiet und als Ramsar-Schutzgebiet gekennzeichnet.
Der zentrale Hochmoorbereich ist im Besitz des Stiftes Admont, die Randbereiche gehören privaten Grundbesitzern, dem Moorschutzverein Pürgschachen und dem Land Steiermark.
Führungen im Moor bietet der Moorschutzverein Pürgschachen, 8904 Ardning, Tel. 0664/2253653