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Universumfolge "Gesäuse - Wildes Wasser, blanker Fels"

"Aus meiner Sicht" - Gedankenrückblick von Nationalparkdirektor DI Werner Franek zum Film:

Der Nationalpark, der dem Gesäuse seit nunmehr drei Jahren ein international herausragendes Prädikat verleiht, soll neben den Aufgaben des Naturschutzes die Tradition der naturschonenden touristischen Nutzung des Gebietes weiterführen. Ein weiteres vorrangiges Ziel ist auch die Vermittlung von Werten und die Sensibilisierung der Besucher für die Natur und des Naturschutzes in Form unserer vielen Veranstaltungen im Rahmen des Sommer- Winter- und Schulprogrammes sowie unserer Themenwege und Ausstellungen.

Mit dem vorliegenden Universumfilm unseres Nationalparks Gesäuse wollen wir nun einen Einblick in den fantastischen Naturraum des jüngsten österreichischen Nationalparks geben. Der Bilder- und Themenbogen spannt sich von den grandiosen Lebensräumen rund um das Wasser mit der wilden Enns und Bergbächen, über Naturwälder, Bergmatten und Almen bis hin zu Ein- und Ansichten rund um die fantastischen Felstürme und Felsgestalten des Nationalparks.

Im Rahmen dieses Filmes wandeln wir auch auf den Pfaden der Mönche des Stift Admont, der Holzknechte, Köhler und Alpinisten die als erste diese Berge bezwangen, erforschten bzw. bewirtschafteten.

Das Schutzgebiet "Nationalpark Gesäuse" soll sich durch seine einzigartige Landschaft und Artenvielfalt auszeichnen. Sichern bedeutet in diesem Zusammenhang den Ablauf der natürlichen Entwicklung zu gewährleisten und zu fördern, sowie die menschliche Nutzung in der Naturzone bewusst zurückzunehmen bzw. auf den Almen in der Bewahrungszone naturverträglich und ökologisch nachhaltig vorzunehmen.

Neben der herausragenden, einzigartigen Werbewirksamkeit soll der Film auch die Philosophie des Nationalparks als höchste Form des Naturschutzes vermitteln und begreifbar machen, wo die Sicherstellung von natürlichen Abläufen innerhalb der Lebensräume mit ihren komplexen Lebensgemeinschaften, Tier- und Pflanzenarten neben der Erholung höchste Priorität hat. Der biologische Reichtum in Österreich schwindet - ein Verlust, der auch uns Menschen trifft, da wir ja selbst ein Teil dieses Systems sind und Verantwortung für dieses „Naturerbe“ tragen sollten, zumal menschliches Leben in hohem Maß von natürlichen Ressourcen abhängig ist.

Im Film wird immer wieder von der „Wildnis des Nationalparks Gesäuse“ gesprochen. Auch der Titel des Filmes „Wildes Wasser, blanker Fels“ verweist auf Wildnis. Wie wird dieser Begriff mit der Nationalparkidee verbunden?
Was ist Wildnis und wozu könnte sie gut sein? Darüber gehen die Meinungen gehörig auseinander. In der Freizeit brechen alle Dämme zur wilden Welt draußen: Das Fernsehen liefert Wildnis aller Kontinente hundertfach ins Wohnzimmer. Das müsste doch eigentlich Wildnis genug sein. Wie soll ein zivilisierter Mitteleuropäer bei solch einem Angebot merken, dass es auf seinem Kontinent echte Wildnis kaum mehr gibt? Dass Jahrhunderte Natur-Nutz und Naturmanagement größere Wildnisreste nur mehr in nordskandinavischen Waldgebieten zurückgelassen haben? Den Verlust kann man beklagen, jedenfalls muss man ihn feststellen. Aber was haben wir mit dem Schwund der Wildnis eigentlich verloren?

Die Wissenschaft definiert den Begriff „Wildnis“ sehr nüchtern: Unter Wildnis wird jener Raum verstanden, in dem wir jede Nutzung und Gestaltung bewusst unterlassen, in dem natürliche Prozesse ablaufen können, ohne dass der Mensch denkt und lenkt, in dem sich Ungeplantes und Unvorhergesehenes entwickeln kann. Nicht ein erstrebens- und erhaltenswerter Idealzustand der Natur ist das Ziel, sondern ein Zulassen dynamischer Prozesse. Es gibt keinen Schutz einzelner höherwertiger, spektakulärer oder gewinnbringender Tier- und Pflanzenarten oder Lebensräume. Wer Wildnis akzeptiert, dem muss ein unscheinbarer Vogel oder Insekt genauso viel Wert sein wie Hirsch, Bär, Luchs, Steinadler oder Orchideen. Natürliche Vorgänge, die wir Menschen oft als „Katastrophen“ nennen, sind Teil ungestörter Naturdynamik. Dazu gehören etwa abgestorbene Bäume, eine Schotterbank entlang der natürlichen Ennsufer oder ein unaufgeräumter Lawinenstrich. Unter dem Motto „es gibt nichts lebendigeres als einen toten Baum“ erfahren wir im Film auf spektakuläre Art wie wichtig totes stehendes oder liegendes Holz für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten ist.

Haben Sie immer noch Lust auf Wildnis? Naturwissenschaftliche Wildnisdefinitionen lassen erahnen, welches Konfliktpotential in dem Begriff steckt. Noch deutlicher wird dies auf der emotionalen Ebene. Unser Sprachgebrauch definiert Wildnis meist negativ.

Gerade die „Unwörter“ sind es, die sich an diesen Begriff schmiegen: Wildnis ist unberechenbar, unübersichtlich, unproduktiv, ungepflegt, undurchdringlich, unordentlich, unbehaglich, ungezähmt, unheimlich.

Wie wird dieser Begriff mit der Nationalparkidee verbunden?
Alle Nationalparke weltweit und somit auch unser Nationalpark stehen für Wildnis. Im stark besiedelten Mitteleuropa und selbstverständlich auch bei uns im Gesäuse allerdings mit notwendigen Kompromissen, bedingt durch die relative Kleinflächigkeit, der menschlichen Besiedelung sowie der Erschließung und Bewirtschaftung im Umfeld des Parks. Diese regionalen Aspekte müssen selbstverständlich in den Aspekt für unbeeinflusste Wildnis im Nationalpark einfließen.

Und doch unterscheiden sich die Naturvorgänge in unserem Nationalpark wesentlich von bewirtschafteten Landschaftsräumen. Wildnis kann nun durch die Prädikatisierung des Gesäuses zum Nationalpark behutsam in den Naturzonen des Parks zugelassen werden.

Ich bedanke mich bei Team der Produktionsfirma Science Vision mit Frau Dr. Rita und Herrn Dr. Michael Schlamberger für ihr großes Engagement im Rahmen der Filmerstellung, allen Darstellern, allen wissenschaftlichen Betreuern rund um das Team des Nationalparks und des Benediktinerstifts, den vielen Helfern und Unterstützern sowie bei der Generalversammlung der Nationalpark Gesäuse GmbH, die es gemeinsam mit den zuständigen politischen Referenten BM DI Josef Pröll und dem damaligen Naturschutzlandesrat Johann Seitinger und LAbg DI Odo Wöhry ermöglich haben, dass seitens des Lebensministeriums sowie der Naturschutzabteilung des Landes Steiermark zusätzliche Mittel zur Realisierung dieses Filmprojektes zur Verfügung gestellt wurden.

Lassen Sie sich durch diesen Film überzeugen, wie wunderschön, vielfältig und facettenreich unser Nationalpark ist und welche Bedeutung die Naturschutzidee für den Erhalt der Lebensräume und Artenvielfalt im Gesäuse hat.


Herzlichst Ihr Werner Franek, Nationalparkdirektor