"Die Umweltfrage ist
zur Überlebensfrage der Menschheit geworden.
Das grundlegende Ziel ist es, die Schöpfung
zu bewahren."
Richard von Weizsäcker
Bereits um 1872 wurde im amerikanischen Kongress
mit dem so genannten "Yellowstone Act"
der weltweit erste Nationalpark aus der Taufe
gehoben. Zu einer Zeit, in der die Naturlandschaft
des amerikanischen Westens unvorstellbar groß
erschien und in vielen Gegenden unter widrigsten
Bedingungen die Kolonisierung erst vorangetrieben
wurde, wiegt jener Schritt, der als "Nutzungsverzicht
eines Kulturstaates zugunsten der Natur"
verstanden werden könnte, doppelt. Erstmals
wurde der Natur das Recht eingeräumt, allein
um ihres Seins wegen und "zur Erbauung,
Freude und Bildung kommender Generationen"
in ihrer Unversehrtheit bestehen zu bleiben.
Heutzutage stellen Nationalparke unberührte
oder naturnahe Landschaften dar, die in ein weltumspannendes
Netzwerk einzigartiger Lebensräume eingebunden
sind und der höchsten Schutzkategorie unterliegen.
Ihre Ursprünglichkeit bietet nicht nur Ausgleich
zur Unruhe gegenwärtiger Alltagswelten. Sie
aktiv zu erleben bedeutet, natürliche Abläufe
mit allen Sinnen zu erfahren, Unbekanntes spielerisch
zu lernen und manch vergessen Geglaubtes wieder
zu entdecken.
Nicht zuletzt die
Vorführung von beeindruckenden
Aquarellskizzen, die der amerikanische
Landschaftsmaler Thomas Moran bei seinen
Reisen durch die pittoreske Landschaft
des von unzähligen Geysiren, Wasserfällen
und einem gewaltigen Wildreichtum geprägten
Yellowstone-Gebietes anfertigte, bewegten
1872 die Abgeordneten des amerikanischen
Kongresses den so genannten "Yellowstone
Act" zu beschließen.
Die strengen Nationalpark-Kriterien
der IUCN (The World Conservation Union/ Internationale
Vereinigung zur Erhaltung der Natur; Sie besteht
aus staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen
aus über 125 Ländern) legen einen völligen
Verzicht auf wirtschaftliche Nutzungen im Kernbereich
fest und akzeptieren Pflegemaßnahmen nur
im Rahmen initieller Renaturierung, beziehungsweise
als traditionelle Bewirtschaftungsweisen auf den
so genannten Bewahrungs-Flächen, wie etwa
den Almen und Wiesen.
Heute gibt es weltweit
über 2100 anerkannte Nationalparke,
darunter auch den Sargamatha-Nationalpark
mit dem höchsten Berg der Welt,
dem Mount Everest (8.846m).
Zur Bestimmung weltweit gültiger Regeln
und zur Vermeidung von "Etikettenschwindel"
haben daher die Vereinten Nationen in Zusammenarbeit
mit der IUCN eine Definition festgesetzt, die
als Orientierung und Maßstab für die
Einrichtung und Bewertung von Nationalparken dienen
soll. Sie findet sich in einer Liste von 6 verschiedenen
Managementkategorien für Schutzgebiete, unter
denen die Kategorie II mit dem Namen "Nationalpark"
bezeichnet wird.
Auswahlkriterien für Nationalparke sind unter
anderem:
Das Gebiet muss ein charakteristisches Beispiel
für Naturregionen, Naturerscheinungen oder
Landschaften von herausragender Schönheit
enthalten, in denen Pflanzen- und Tierarten,
Lebensräume und geomorphologische Erscheinungen
vorkommen, die in geistig-seelischer Hinsicht
sowie für Wissenschaft, Bildung, Erholung
und Tourismus von besonderer Bedeutung sind.
Das Gebiet muss groß genug sein, um
ein oder mehrere vollständige Ökosysteme
zu erfassen, die durch die laufende Inanspruchnahme
oder menschliche Nutzung nicht wesentlich
verändert wurden.
Ein vorrangiges Ziel
neben dem Erhalt und Schutz der Naturlandschaft
ist der Bildungsauftrag und somit die
Vermittlung von Werten und die Sensibilisierung
der Besucher für die Idee des Nationalparkbegriffes
als höchste Form des Naturschutzes.
Der Nationalpark Gesäuse ist Österreichs
drittgrößter und zugleich jüngster
Nationalpark und eine Landschaft von atemberaubender
Schönheit. Zwischen Admont, berühmt
für das Benediktinerstift mit seiner weltgrößten
Klosterbibliothek, und Hieflau, der alten Bergwerksstadt,
gelegen, umfasst der Nationalpark zur Zeit rund
11.000 Hektar.