Nationalpark Ranger & Organe

Leitner 002Besucher erleben Tag für Tag die Faszination ursprünglicher Natur im Nationalpark Gesäuse und genießen die Möglichkeit, Ruhe und Entspannung inmitten einer beeindruckenden Landschaft zu finden. Führungen durch Nationalpark Ranger sorgen dabei für einen tieferen Einblick und für ein besonderes Erlebnis. Nationalpark Organe kontrollieren – ähnlich der Bergwacht – die Einhaltung der Gesetze.

Beruf und Berufung

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Nationalpark Ranger haben ein ausgeprägtes Wissen über die Natur und den Nationalpark. Sie kennen die interessantesten Plätze und viele Geschichten, ein Wissen, das sie gerne weitergeben. Ihre Kunst besteht darin, verborgene Schätze zu erschließen, BesucherInnen einen Mehrwert zu bieten und das individuelle Naturerlebnis zu verstärken. Nationalpark Ranger sind auch im Umgang mit Kinder- und Jugendgruppen geübt und haben für diese Zielgruppe eine Menge Aktivitäten vorbereitet.

Nationalpark Ranger sind in erste Linie bemüht, die Menschen für die Natur des Nationalparks zu sensibilisieren und Interesse zu wecken. In erster Linie geht es nicht um die Weitergabe von Wissen, sondern um das Öffnen der der Augen, um die Eröffnung eines emotionalen Zuganges. Grundlage für dieses Verständnis der Aufgaben eines Nationalpark Rangers sind die die Idee von Freeman Tilden, die in dessen Buch „Natur- und Kulturerbe vermitteln – das Konzept der Interpretation“ nachzulesen sind.

Nationalpark Ranger Zertifikatslehrgang

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Ausbildung zum Nationalpark Ranger

Der Zertifikats-Lehrgang ist die Grundlage einer bundesweit einheitlichen Ausbildung zum Österreichischen Nationalpark Ranger und sichert die Qualität der Nationalpark-Pädagogik auf hohem Niveau. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Zertifikatslehrganges erhalten eine fundierte und umfassende Ausbildung über die Zielsetzungen und Aufgabenstellungen eines Nationalparks, allgemeine Grundlagen über den Österreichischen Naturraum und seine Entstehung sowie ökologische Zusammenhänge der Natur und Landschaft in der Nationalpark-Region, für die das Zertifikat ausgestellt wird. Sowohl naturkundliche Grundlagen als auch das vielfältige Wirken des Menschen in der Landschaft in Geschichte und Gegenwart werden behandelt. Weiters werden Grundlagen der Kommunikation, Naturpädagogik und die Vermittlung von Erlebnissen und Wissen zu Natur und Landschaft gelehrt. Rechtliche Grundlagen sowie Grundlagen des Notfallmanagements bilden weitere Inhalte.

Die Zertifikats-Lehrgänge sind eine vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft durch Erlass geregelte und anerkannte Bildungsmaßnahme in der Erwachsenenbildung. Mit der Durchführung dieser Lehrgänge sind die jeweiligen Nationalpark-Verwaltungen und deren Einrichtungen sowie die Nationalpark Akademie Hohe Tauern als zertifizierte Ausbildungsstätten beauftragt. Die Zertifikats-Lehrgänge stellen einen Basislehrgang dar. Im Rahmen der geforderten Weiterbildung oder in anderen, den einzelnen Nationalpark-Verwaltungen freigestellten Zusammenhängen, können vertiefende Module gestaltet werden, etwa mit pädagogischen oder speziellen methodischen Inhalten (Bsp. Wildnispädagogik) sowie zusätzliche Qualifizierungen erworben werden (Bsp. Bootsführer, Kletterführer, naturräumliche Aufnahme- und Inventur-Tätigkeiten, etc.).

Lehrgangsinhalte

Ein „Zertifizierter Österreichischer Nationalpark Ranger“ sollte:

a) Ein Wissen um die internationalen/nationalen Schutzgebietskategorien, eine übergeordnete Umweltethik sowie ein Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang mit landschaftlichen Ressourcen haben – einschließlich der Geschichte der Nationalpark-Idee und anderer Schutzgebiete sowie der Entwicklung im historischen Kontext. Ein ethischer Kodex für alle Nationalpark Ranger sollte darin enthalten sein.

b) Über gute pädagogisch-didaktische Fähigkeiten verfügen, einschließlich einer Vielfalt von Techniken, um Botschaften, Wissen und Werte zu vermitteln (Naturbeobachtung, Führungen, Rollenspiele, globale Umwelterziehung im Sinne des Nachhaltigkeitsgedankens, u.v.a.m.).

c) Über ausreichendes Wissen um die ökologischen Besonderheiten des jeweiligen Nationalparks verfügen, die Dynamik der örtlichen Landschaft, deren Biodiversität und Kultur verstehen, ebenso wie die daraus resultierenden Nutzungskonflikte.

d) Über das Wissen und die Fertigkeit im Umgang mit Besuchersicherheit und Notfall-Management verfügen.

e) Über Kenntnisse im Management des Lebensraums und der Einrichtungen des Schutzgebietes verfügen, mit fakultativer Spezialisierung auf einzelne Techniken.

Modularer Aufbau des Zertifikats-Lehrganges

Die Ausbildung besteht aus drei Teilen, die getrennt voneinander zu betrachten sind:

A) Zertifikats-Lehrgang „Grundmodul“

Dieser Lehrgang beinhaltet den allgemeinen, für alle Österreichischen Nationalparks gültigen Teil und umfasst insgesamt 17 Ausbildungstage zu je 8 Lehreinheiten (1 Tag entspricht 8 Lehreinheiten (LE) zu jeweils 60 Minuten). Er ist verbindlich vorgesehen für alle Personen, die ab Inkrafttreten des Zertifikats-Lehrganges ihre Ausbildung zum „ Österreichischen Nationalpark Ranger“ absolvieren.

B) Zertifikats-Lehrgang „Aufbaumodul“

Dieser Lehrgang stellt den spezifischen, auf einen einzelnen Nationalpark angepassten Teil dar und besteht aus insgesamt 25 Ausbildungstagen, davon 10 Praxistagen, im jeweiligen Schutzgebiet. Dieser Lehrgang ist auch jeweils verbindlich von jenen Personen zu absolvieren, die von einem Nationalpark in einen anderen wechseln möchten.

C) Fortbildungsveranstaltungen

Die Nationalpark-Verwaltungen bieten für zertifizierte Nationalpark Ranger regelmäßig ein- bis mehrtägige Fortbildungsveranstaltungen an, um sowohl den Wissenstand in speziellen Bereichen zu erweitern und/oder zu vertiefen, als auch die neuen Entwicklungen innerhalb des Nationalpark-Managements zu vermitteln. Gegebenenfalls können auch Themenbereiche und Zusatzqualifikationen behandelt werden, die im Zertifikats-Lehrgang nicht berücksichtigt sind. Die regelmäßige Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen ist grundsätzlich verpflichtend, um die Gültigkeit des Zertifikats fortzuführen. Jeder zertifizierte Nationalpark Ranger muss an mindestens zwei Fortbildungstagen - davon ein Tag im eigenen Nationalpark pro Jahr - teilnehmen.

Nationalparkorgane - Naturschutzrecht im Nationalpark Gesäuse

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Mit der Erklärung zum Nationalpark wurde der herausragenden naturräumlichen Bedeutung des Gesäuses Rechnung  getragen und dieses Gebiet in die Klasse der weltweit am konsequentesten geschützten Naturschutzgebiete aufgenommen. Das bedingt eine Vielzahl von spezifischen rechtlichen Bestimmungen und eine wirksame Umsetzung der allgemeinen  Naturschutzbestimmungen, die auch außerhalb des Nationalparks gelten. Die Schutzbestimmungen für den Nationalpark Gesäuse finden sich nicht nur in den eigentlichen Nationalparknormen (15a-Staatsvertrag, Nationalparkgesetz, Nationalparkerklärung, Nationalparkplan), sondern auch in zahlreichen allgemeinen Bundes- und Landesnormen.

Die Aufgabe der Nationalparkorgane

Da alle Gesetze und Verordnungen stets nur so gut sind, wie ihre Einhaltung sichergestellt wird, kommt den Nationalparkorganen beim Schutz des Nationalparks Gesäuse eine zentrale Rolle zu. Die wichtigste Voraussetzung eines erfolgreichen Naturschutzes ist jedoch das Verständnis der Naturnutzer für – mitunter als einschränkend empfundene – Schutzmaßnahmen. Oft ist es auch nur schlichte Unwissenheit, die zur Zerstörung unwiederbringlicher Naturschätze führt. Erste Aufgabe der Nationalparkorgane ist daher die Information und Bewusstseinsbildung für notwendige Naturschutzmaßnahmen.

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Nationalparkorgane sind die beeideten Hilfsorgane der Steiermärkischen Naturschutzbehörde und nehmen im Nationalpark Gesäuse jene Aufgaben wahr, die vor der Nationalparkgründung  durch die Berg- und Naturwächter übernommen wurden. Sie sollen informieren, aufklären und kontrollieren, sind aber auch zur Vornahme hoheitlicher Amtshandlungen wie Beschlagnahmen und Ausstellung von Organstrafverfügungen befugt. Daher werden an ihre persönliche und fachliche Eignung hohe Anforderungen gestellt. Die ehrenamtlich tätigen Nationalparkorgane werden nach erfolgreicher Ablegung einer Dienstprüfung mit Bescheid der Landesregierung bestellt. Sie sind zur Leistung einer Jahresmindestdienstzeit und zur ständigen Weiterbildung verpflichtet. Die Nationalparkorgane unterstehen der jeweiligen Bezirkshauptmannschaft und haben einen Dienstausweis sowie ein sichtbares Dienstabzeichen zu tragen.

Das Nationalparkorgane-Gesetz

Das Nationalparkorgane-Gesetz - es regelt vor allem die Voraussetzungen und Befugnisse - wurde als letzte rechtliche Grundlage des Nationalparks Gesäuse am 17. Juni 2003 vom steiermärkischen Landtag einstimmig beschlossen und ist am 1. Oktober 2003 in Kraft getreten.