2012 - Auswirkungen unterschiedlicher Bewirtschaftungsweisen und Nutzungsintensitäten von Almen auf die Tagfalterfauna im NP Gesäuse

Ordinationsdiagramm der echten Falter.

Ordinationsdiagramm der echten Falter.

Autor(en): Zöchling A.

Die größte Gefährdungsursache für Schmetterlinge ist der Verlust von geeigneten Habitaten aufgrund der Intensivierung landwirtschaftlich genutzter Flächen bzw. deren Nutzungsaufgabe. Dieser Prozess macht auch vor Almen nicht halt. Unbewirtschaftete Weideflächen unterhalb der klimatisch bedingten Waldgrenze werden rasch von Sträuchern und letztendlich von Bäumen wiederbesiedelt. Besonders für heliophile Tiere wie die Schmetterlinge hat dies dramatisch negative Konsequenzen. Eine extensive Bewirtschaftungsweise fördert die Diversität von Schmetterlingen und erhöht die Anzahl von seltenen Arten, so die generelle Meinung. Um die Auswirkungen der Beweidung von Almen auf Tagfalter sowie tagaktive „Nachtfalter“ zu untersuchen wurden 66 Probeflächen (50 x 50 m²) auf 13 verschiedenen Almen im Nationalpark Gesäuse (Österreich) untersucht.

Die Almen umspannten dabei einen Gradienten von bereits außer Nutzung gestellten bis hin zu intensiv bewirtschafteten. Alle Probeflächen wurden drei Mal während der Vegetationsperiode 2011 untersucht. Zusätzlich zu den Sichtungen von Vertretern der untersuchten Insektengruppe wurden auch Umweltparameter aufgenommen. Für die Datenauswertung wurden multivariate Modelle (GLM, GLMM, distLM) verwendet, und zur graphischen Darstellung der Ergebnisse kamen Ordinations-Verfahren zum Einsatz. In Summe konnten 95 Arten tagaktiver Schmetterlinge zu 3065 Individuen beobachtet werden, davon zählten 66 Arten zu 2545 Individuen zu den echten Tagfaltern (Hesperioidea and Papilionoidea).

Die Beweidungsintensität hatte generell keinen signifikanten Einfluss auf die Diversität und Artmächtigkeit der Tagfalter, allerdings zeigte sich bei differenzierter Betrachtung, dass mit zunehmender Intensität der Beweidung der Anteil von Habitatspezialisten und Arten die bevorzugt natürliche/halbnatürliche Lebensräume besiedeln sank. Die Abundanz der Tagfalter wurde ebenfalls negativ durch die Beweidung beeinflusst. Der wichtigste Prädiktor für die Diversität und Artenzahl der Tagfalter war die Höhenlage der Probefläche bzw. die durchschnittliche Höhenlage der untersuchten Alm. Im Gegensatz dazu wurde die Abundanz hauptsächlich vom lokalen Ressourcenangebot, den Naktarquellen, beeinflusst. Die Faltergesellschaften unterschieden sich nur ziemlich wenig zwischen den verschiedenen Beweidungsintensitäten. Einzig das Arteninventar aufgelassener Almen unterschied sich deutlich von dem noch bewirtschafteter Almen verschiedener Nutzungsintensitäten. Ähnlich wie auf die Diversität und Artenzahl hatte auch auf die Artenzusammensetzung der Tagfalter die Höhenlage den größten Einfluss, an zweiter Stelle kamen Prädiktoren der Nutzungsintensität gefolgt von der Nektarverfügbarkeit. Um den Artenreichtum und die Abundanz alpiner Falter hoch zu halten sind blütenreiche Wiesen, die als Nektarquellen dienen können,erstrebenswert. Der Unterschied in den Faltergesellschaften von verbrachenden Flächen und noch bewirtschafteten Almen führt zum Schluss, dass unterschiedliche Sukzessionsstadien für bestimmte Gruppen der Falter von Bedeutung sind. Aus diesem Grund sollten Managementmaßnahmen ein Mosaik aus verschiedenen Sukzessionsstadien zum Ziel haben.



Berichte und Veröffentlichung

Zöchling A. (2012): Auswirkungen unterschiedlicher Bewirtschaftungsweisen und Nutzungsintensitäten von Almen auf die Tagfalterfauna im NP Gesäuse. Masterarbeit an der Universiät Wien. 61 S.

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