Biotopschutzwald als Meilenstein

WaldwildnisDarf man den Wald sich selbst überlassen? Holzertrag ist nicht das Ziel des Nationalparks Gesäuse, vielmehr das Zulassen der freien natürlichen Entwicklung. Daher braucht es auch keine waldbaulichen Eingriffe.
Den Wald sich selbst zu überlassen erlaubt das österreichische Forstgesetz nur in wenigen Fällen. Dazu muss ein Wald als Biotopschutzwald ausgewiesen sein. Seit 2018 gibt es im Nationalpark Gesäuse, nach dem Wildnisgebiet Dürrenstein und dem Nationalpark Kalkalpen, nun den dritten derartigen Biotopschutzwald Österreichs. Damit darf sich ganz gesetzeskonform eine Waldwildnis entwickeln. Für den Naturschutz im Gesäuse ist das ein echter Meilenstein!

Wenngleich unser Forstgesetz keine Bewirtschaftungspflicht im engeren Sinne kennt, regelt es sehr wohl Bewirtschaftungsmaßnahmen und veranlasst Waldbesitzer in bestimmten Fällen zum Eingreifen in ihre Wälder. So müssen Waldeigentümer handeln, wenn durch Pilze oder Insekten Gefahren drohen oder der Holzwert herabgesetzt werden könnte. Nachdem das den Zielen in Nationalparkgesetzen widerspricht, wurde 2002 - im Jahr der Nationalparkgründung - ein § 32a ins Forstgesetz eingefügt. Dieser § kann den Waldeigentümer auf festgelegten Flächen von verschiedenen Verpflichtungen befreien, wie z.B. der Bekämpfung von  Borkenkäfern.

Auf Antrag der Steiermärkischen Landesforste, als Eigentümer der betroffenen Nationalpark-flächen, entfällt per Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Liezen die Verpflichtung zur Borkenkäferbekämpfung auf festgelegten Flächen.
Weiterhin werden Borkenkäfer dort bekämpft, wo benachbarte Wirtschaftswälder geschützt werden müssen. Als geeigneter „Sicherheitsabstand“ hat sich eine Horizontaldistanz von 500 m erwiesen. Im Bekämpfungsgürtel sorgen die Nationalpark-Förster dafür, dass auftretender Befall sofort erkannt und umgehend entsprechende Maßnahmen ergriffen werden (Abtransport des Holzes, Fräsen der Rinde, Vorlegen von Fangbäumen). Auch in sensiblen Schutzwäldern werden Borkenkäfer bekämpft. Zur Abgrenzung wurden Gefahren-Modellierungen des Landes Steiermark herangezogen. Die genaue Festlegung der Zonengrenzen erfolgte vor Ort im Gelände.

Dieser „forstlich“ eingriffsfreie Bereich beträgt ca. 85% der Nationalparkfläche und ca. 70% der reinen Waldfläche im Nationalpark.

Positionspapier Borkenkäfer im Downloadbereich von www.nationalparksaustria.at

 

Biotopschutzwälder des Nationalpark Gesäuse in Rot eingezeichnet