Im Reich des Adlers

Im Reich des Adlers

Das Gesäuse mit seinen schroffen Felswänden, kluftigen Flanken und atemberaubenden Bergen ist wie gemacht für einen Vogel, der scheinbar an diesen speziellen Lebensraum angepasst ist – den Steinadler. Dabei war das nicht immer so. Früher besiedelte die Art offene Landschaften, wie Moore und Kulturland im Tal. Vom Menschen wurde der Steinadler jedoch nicht nur als der „König der Lüfte“, sondern auch als Nahrungskonkurrent und Gefahr für Nutztiere gesehen. Deshalb wurde er in Europa systematisch verfolgt, sogar beinahe ausgerottet. Im Hochgebirge konnte der Mensch dem Adler aufgrund der Unzugänglichkeit wenig anhaben, und so zogen sich die stolzen Vögel dorthin zurück. Heute findet er sich in Mitteleuropa tatsächlich nur noch in den Alpen. Auch im Nationalpark Gesäuse fühlt er sich wohl.

Wenn sich ein Steinadlerpaar einmal gefunden hat, bleibt es ein Leben lang zusammen. Ihr Nest – den sogenannten Adlerhorst – bauen sie in überhängenden Felswänden oder hohen alten Bäumen. Entweder repariert und erweitert das Adlerpaar einen alten Horst oder es legt einen neuen, großen Horst an. Mitte März legen die Weibchen meist zwei Eier, aus denen nach ca. 45 Tagen die Jungen schlüpfen. Diese werden zunächst mit mundgerechten Stücken gefüttert und zerteilen sich die Nahrung nach ca. sieben Wochen selbst. Im Alter von 60-70 Tagen unternehmen die Jungvögel ihre ersten Flugversuche. Weitere fünf Monate später verlassen sie das Revier der Eltern.

In großer Höhe gleiten die stolzen Tiere über die Kämme und Gipfel und können mit ihren sprichwörtlichen „Adleraugen“ Beute von der Größe eines Huhns auf eine Entfernung von bis zu 3 Kilometer deutlich erkennen.

Die außerordentlich kräftigen und geschickten Fänge ermöglichen es dem Steinadler, regelmäßig Tiere zu erlegen, die erheblich schwerer sind als er selbst. Ausgewachsene Weibchen – deutlich größer und kräftiger als Männchen – erbeuten sogar junge Gämsen. Gut nachvollziehbar, dass früher schon mal ein Schaf oder eine Ziege dem Adler zum Opfer fiel.

Während also in der Vergangenheit hauptsächlich die direkte Bejagung eine Bedrohung darstellte, sind es heutzutage eher Störungen am Horst durch Hubschrauber, Flugsport oder Kletterer, die dem Steinadler zu schaffen machen. Um das majestätische Tier zu schützen und – v.a. in der heiklen Brut- und Aufzuchtphase nicht zu stören – ist es notwendig zu wissen, wie viele Adler bzw. Brutpaare es gibt und wo sich ihre Horste befinden. Darum wird im Nationalpark jährlich ein Monitoring (systematische Erfassung) durchgeführt. Am besten eignet sich dazu die Zeit der Reviersuche, Brut und Jungenaufzucht, also die Zeit von Mitte März bis Ende Juli. Im Nationalpark Gesäuse gibt es durchschnittlich drei Brutpaare pro Jahr. Um den Steinadlern hier den bestmöglichen Schutz zukommen zu lassen, wird der Fachbereich Naturraum & Naturschutz auch heuer wieder von einer Gruppe slowakischer Experten beim Beobachten der Adler und Deuten ihrer Verhaltensweisen unterstützt.

Nicht nur national, sondern auch international gilt der Steinadler als Leitart für das Management von Großschutzgebieten wie Nationalparks. Aufgrund seiner hohen Ansprüche an den Lebensraum wird er stark mit Wildnis und unberührter Natur in Verbindung gebracht. In der EU-Vogelschutzrichtlinie wird der „König der Lüfte“ gelistet und genießt seit Mitte des 20. Jahrhunderts nicht nur im Gesäuse sondern europaweit strengen Schutz.

 

Rückfragen: Magdalena Delvai, magdalena.delvai@nationalpark.co.at, Tel: 0664/8252310

 

 


Allgemeine Presseanfragen:  Dr. Isabella Mitterböck, Tel. 0664/34 65 629

 

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