2007 - Die Zukunftschancen des Alpenmurmeltierbestandes (Marmota marmota) im Nationalpark Gesäuse

Wie sieht die Zukunft des Alpenmurmeltiers im Gesäuse aus?

Wie sieht die Zukunft des Alpenmurmeltiers im Gesäuse aus?

Autor(en): Schmotzer I.

Das rezente Verbreitungsgebiet des heimischen Alpenmurmeltieres erstreckt sich über den gesamten Alpenbogen. Gesicherte autochthone Vorkommen, also auf natürliche Weise besiedelte Gebiete, finden sich in Österreich in dem zum alpinen Verbreitungszentrum gehörenden Westen (Vorarlberg, westliche Teile Tirols). Die Grenze wird hier mit dem Tiroler Wipptal gezogen (PRELEUTHNER 1993). Eine isolierte autochthone Population ist außerdem im Raum Berchtesgaden vorhanden. Ob es im Osten Österreichs (Kärnten, Steiermark, Oberösterreich, Niederösterreich) und somit auch im Gesäuse jemals autochthone Bestände gab, ist noch weitgehend unklar (PRELEUTHNER 1993). Aussetzungen von Murmeltieren in Österreich gab es bereits im 18. Jahrhundert und werden bis heute durchgeführt (NIETHAMMER 1963).


Fundierte faunistische Kenntnisse spielen in der heutigen Zeit nicht nur für den Natur- und Umweltschutz sondern auch für die Raum- und Landschaftsplanung eine immer größere Rolle. Kenntnisse über Vorkommen, Verbreitung, Bestand und Bestandsentwicklungen von Wildarten gewinnen in Anbetracht der vermehrten Umweltproblematik und des wachsenden Konfliktes zwischen Wildtier und Mensch zunehmend an Bedeutung (z.B. GOSSOW 1992a, 1992b; GOSSOW & GAMAUF 1992; GAMAUF 1994). Gerade in Zeiten, wo wir Menschen schon fast jeden Quadratmillimeter der Erde für unsere meist wirtschaftlich orientierten Zwecke nützen, spielen Schutzgebiete wie Nationalparks eine unersetzliche Rolle in der Erhaltung der letzten naturnahen Gebiete und ihrer dynamischen Entwicklungsprozesse. Oberste Maxime beim Naturschutz in Nationalparks ist das Zulassen einer natürlichen Entwicklung. Somit stellen Nationalparks ideale Räume für bestimmte Forschungsansätze wie Bestandsaufnahmen, ökologische Langzeituntersuchungen und Dauerbeobachtungen bzw. Monitoring dar. Eine weitere wichtige Aufgabe der Nationalparkverwaltung ist es den Besuchern unverfälschtes Naturerlebnis in Kombination mit Umweltbildung zu bieten. Von daher ist eine Lenkung der Besucherströme unumgänglich, um einerseits ökologisch sensible Gebiete besser schützen zu können und anderseits die Aufmerksamkeit der Besucher auf besondere Attraktionen oder repräsentative Teile des Nationalparks zu lenken.

Nationalparks der IUCN-Kategorie II, wie der Nationalpark Gesäuse, sind natürliche Landgebiete oder marine Gebiete, die ausgewiesen werden a) die ökologische Unversehrtheit eines oder mehrerer Ökosysteme im Interesse der heutigen und kommenden Generationen zu schützen, b) Nutzung oder Inanspruchnahme, die den Zielen der Ausweisung abträglich sind, auszuschließen und c) eine Basis für geistig-seelische Erfahrung sowie Forschungs-, Bildungs- und Erholungsangebote für Besucher zu schaffen. Nationalparks müssen umwelt- und kulturverträglich sein (IUCN 1994). Der im Jahre 2002 gegründete Nationalpark Gesäuse ist ein noch sehr „junger“ Nationalpark. Aus diesem Grund fehlen wichtige Grundlagedaten über den derzeitigen Bestand und die aktuelle Verbreitung von Pflanzen- und Tierarten. Diese Art der Grundlagenerhebung wird von Nationalparkseite forciert und gefördert, sowie die daraus resultierenden Ergebnisse in den Managementplänen und Fragen der Besucherlenkung berücksichtigt. Vorrangiges Ziel dieser Diplomarbeit ist daher im Nationalpark Gesäuse und in angrenzenden Bereichen den Bestand und die räumliche Verteilung des Alpenmurmeltiers aufzunehmen. Zusätzlich werden die Daten der Vergangenheit aufgearbeitet, um ein abgerundetes Bild von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu erhalten.



Berichte und Veröffentlichung

Schmotzer I. (2007): Die Zukunftschancen des Alpenmurmeltierbestandes (Marmota marmota) im Nationalpark Gesäuse. Diplomarbeit an der Universität für Bodenkultur. Wien, 69 S.

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